Bieterschlacht um Schering
Merck wollte bloß „wichtiger Aktionär“ sein

Merck hätte Bayer beinahe den Einstieg bei Schering vermasselt. Warum die Darmstädter dies machten, war lange unklar. Es gehe ums Geld, war eine der Vermutungen, brachte die Übernahmeschlacht letztlich doch einen Millionengewinn. Doch Merck-Chef Michael Römer wiegelt im Interview mit einer Zeitung ab und nennt einen ganz anderen Grund.

HB BERLIN. Der Merck-Konzern hat nach eigenen Angaben das Tauziehen mit dem Konkurrenten Bayer initiiert, um sich eine Hintertür für den Einstieg bei Schering offen zu halten. "Wir wollten eine Basis schaffen, um auf ein mögliches Scheitern des Bayer-Gebots reagieren zu können. Um für diesen Fall selbst ein wichtiger Aktionär zu bleiben oder möglicherweise auch irgendwann auf 30 Prozent zu kommen", sagte Merck-Chef Römer der "Financial Times Deutschland" (Freitagsausgabe). Ab einem solchen Anteil muss ein Unternehmen allen Aktionären ein Übernahmegebot machen.

"Wir haben nach der Bayer-Offerte nicht mehr weitergeboten. Daraus hat jeder geschlossen, wir hätten nicht mehr als 77 Euro gezahlt", sagte Römer. Merck hatte im März erstmals für Schering geboten. Die Berliner wollten sich jedoch nicht von den Darmstädtern schlucken lassen und holten Bayer als so genannten weißen Ritter. Bayer überbot Schering mit 86 Euro. "Die 86 Euro wären noch vertretbar gewesen,­ wir wollten aber nicht in einem Bieterkampf noch viel mehr zahlen", begründete der Merck-Chef den Rückzug Anfang des Jahres.

Im Juni flammte der Übernahmekampf dann erneut auf. Bayer hatte den Schering-Aktionären ein offizielles Angebot gemacht und eine Frist gesetzt, in der sich das Unternehmen 75 Prozent der Schering-Anteile sichern wollte. Merck schoss quer und kaufte vom 30. Mai bis zum 14. Juni beinahe täglich Schering-Anteile am Markt auf und besaß zum Schluss fast 22 Prozent. Die Übernahme Scherings durch Bayer war gefährdet. Kurz vor Auslaufen der Frist am Mittwochabend teilten beide Unternehmen dann mit, dass Merck Bayer seine Schering-Anteile zum Stückpreis von 89 Euro angedient habe. Bayer schlug zu, gleichwohl der Preis deutlich über dem durchschnittlichen Kurs von zuletzt 86,80 Euro und über dem eigenen Angebot von 86 Euro lag. Merck verdiente 400 Mill. Euro. Für Bayer wird die Schering-Übernahme sogar noch teurer, müssen die Leverkusener doch auch den anderen Schering-Aktionären nun den höheren Preis zahlen.

Ungeachtet der Querelen peilt Merck eine Zusammenarbeit mit Bayer an. Es gebe viele interessante Arbeitsfelder, auf denen eine Zusammenarbeit zukünftig etwas bringen könne, sagte Konzernchef Römer gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe). "Da gibt es viele Segmente mit Kompetenz auf beiden Seiten, zum Beispiel die Onkologie oder Kardiometabolische Krankheiten", führte der Manager aus. Bei einigen Präparaten in der Tiermedizin arbeiteten Bayer und Merck schon zusammen. Auf die Frage, wie konkret Merck in den Gesprächen mit Bayer geworden sei, antwortete der Manager: "Es gibt keinerlei Vereinbarungen."

Merck und Bayer hatten bereits mit ihrer Einigung die Prüfung von Kooperationen angekündigt, dazu aber keine konkreten Angaben gemacht. Experten hatten vermutet, Merck habe sein Schering-Paket als Faustpfand verwenden wollen, um Bayer zu Vertriebsvereinbarungen, zur Abgabe von Patenten oder Medikamenten in der Entwicklung zu bewegen.

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