Bieterstreit mit Chinesen
Magna fährt bei Opel auf der Zielgeraden

Das Ringen um den Autobauer Opel steht womöglich kurz vor dem Ende. Viele spricht dafür, dass der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna wie erwartet den Zuschlag erhält. Carl-Peter Forster, Europa-Chef von General Motors, rechnet mit unterschriftsreifen Verträgen noch im Sommer.

BERLIN/FRANKFURT. Im Bieterstreit um Opel fährt der kanadisch-österreichische Zulieferkonzern Magna der Konkurrenz davon. Magna habe „in den laufenden Verhandlungen einige Wochen Vorsprung vor den anderen Bietern“, sagte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster dem Handelsblatt. Man wolle noch im Sommer unterschriftsreife Verträge haben, sagte Forster, der beste Aussichten hat, künftiger Opel-Chef zu werden. Auch die Bundesregierung sieht Magna eindeutig vorn.

Forster betonte, Magna habe ein „langfristiges strategisches Interesse“ an Opel. Damit hebt sich das Unternehmen insbesondere vom Finanzinvestor RHJ ab, der sich ebenfalls für einen Einstieg bei Opel interessiert. In Verhandlungskreisen heißt es, RHJ betrachte Opel lediglich als „Parkposition“, ein Weiterverkauf sei Bestandteil des Konzepts. Neben RHJ ist außerdem der chinesische Automobilkonzern BAIC im Rennen. BAIC hatte sich jedoch erst sehr spät in den Bieterwettstreit eingeschaltet und belegt nach Einschätzung aus Verhandlungskreisen nur eine Außenseiterposition.

Magna hatte sich in einer dramatischen Nachtsitzung im Bundeskanzleramt Ende Mai den Zuschlag für exklusive Verhandlungen mit dem damaligen Opel-Mutterkonzern GM gesichert. Mittlerweile ist die Opel-Mehrheit in der Hand einer Treuhandgesellschaft: Sie hält 65 Prozent an Opel, bei GM liegen noch 35 Prozent. Diesen Anteil will der angeschlagene US-Konzern auch behalten. Magna will von der Treuhandgesellschaft einen 20-Prozent-Anteil übernehmen, 35 Prozent sind für den russischen Magna-Partner Sberbank vorgesehen, zehn Prozent für die Mitarbeiter.

Bislang gibt es zwischen GM und Magna nur eine Absichtserklärung. Auch die Bundesregierung rechnet mit einer baldigen Einigung zwischen GM und Magna. Er sei zuversichtlich, dass man bis Mitte Juli einen Businessplan sehen werde, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann auf der Handelsblatt-Autotagung in München. „Magna ist der realistischste Weg“, sagte Homann. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen plant Magna Ende der Woche auf einer Aufsichtsratssitzung den endgültigen Geschäftsplan abzusegnen.

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht allerdings noch einige offene Punkte in dem Sanierungskonzept des Zulieferers. „Man kann sicher das eine oder andere Fragezeichen sehen, ohne das Konzept völlig infrage zu stellen“, sagte Homann. In Verhandlungskreisen hieß es, für die Frage der Marktzugänge zeichneten sich Lösungen ab. Opel bleibe der Zugang zum US-Markt verwehrt, voraussichtlich werde der Autobauer jedoch ab 2012 in Kanada aktiv werden können.

In China dürfe Opel voraussichtlich das vorhandene Händlernetz weiter beliefern, aber nicht weiter ausbauen. Große Chancen sieht Opel künftig auf dem russischen Markt. Um die Potenziale zu nutzen, ist das Unternehmen bereit, erhebliche Anstrengungen zu unternehmen: „Wir müssen analysieren, ob man in Russland mit den bekannten Marken und Marketingstrategien ausreichend aufgestellt ist“, sagte GM-Europa-Chef Forster. In Unternehmenskreisen hieß es, es sei denkbar, eine ganz neue Marke zu etablieren. Es sei vorstellbar, ein für den russischen Massenmarkt taugliches robustes und günstiges Modell zu entwickeln und unter eigenem Namen zu vertreiben.

Wirtschaftsstaatssekretär Homann sagte, er erwarte, dass die EU die geplanten Opel-Beihilfen von insgesamt 4,5 Mrd. Euro sehr genau prüfe. Dass die EU-Kommission bei ihrer Prüfung standortbezogene Vorgaben mache, könne er sich nicht vorstellen. Das Bundeswirtschaftsministerium koordiniert die Gespräche der europäischen Länder mit Opel-Standorten, die sich an dem 4,5-Mrd.-Euro-Paket beteiligen wollen. Opel hatte von der Bundesregierung einen Überbrückungskredit von 1,5 Mrd. Euro bewilligt bekommen, damit der laufende Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten werden kann. 300 Mio. Euro wurden bereits an das Unternehmen überwiesen. Die restlichen drei Mrd. Euro wird Opel zu einem erheblichen Teil für die Entwicklung neuer Modelle verwenden.

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