Bieterwettkampf geht in die heiße Phase
Berlin prüft Stopp von Atlas-Verkauf an Thales

Die Bundesregierung will den Verkauf des Bremer Marine-Spezialisten Atlas Elektronik an den französischen Rüstungs- und Elektronikkonzern Thales verhindern.

BERLIN. Dass der britische Atlas-Eigentümer BAE Systems das Bremer Unternehmen verkaufen wolle, „haben wir nicht zu kritisieren, aber wir haben das sicherheits- und verteidigungspolitische Interesse Deutschlands zu gewährleisten“, sagte ein hochrangiger Regierungsbeamter dem Handelsblatt.

Die Bundesregierung bevorzugt eine deutsche Lösung mit Thyssen-Krupp oder EADS, ohne sich allerdings bereits für einen konkreten Kandidaten ausgesprochen zu haben. Atlas stellt Elektronik für U-Boote und Schiffe, Minenjagdsysteme und maritime Verkehrsleitsysteme her und setzt rund 300 Mill. Euro im Jahr um.

Der Bieterwettkampf um den Bremer Rüstungszulieferer geht jetzt in die entscheidende Phase. Nachdem die Interessenten in die Bücher des Unternehmens blicken konnten, endet in der kommenden Woche die Frist für verbindliche Angebote. Thales führt daher offenbar Gesprächen mit Thyssen-Krupp.

Unter dem Dach des Industriekonzerns befindet sich der neue deutsche Werftenverbund, zu dem auch der Kieler U-Boot-Bauer HDW zählt. Über eine Partnerschaft mit Thyssen hofft die Thales-Führung um Denis Ranque, die politischen Widerstände besänftigen zu können. Spekulationen zu Folge stehen die Gespräche aber unter keinem guten Stern. Weder Thales noch Thyssen-Krupp wollten jedoch zu dem Thema Stellung nehmen. Auch ein Sprecher von EADS lehnte einen Kommentar zu den Atlas-Verhandlungen ab.

Aus Sicht der Bundesregierung besteht offenbar auch die Gefahr, dass für Atlas ein „strategischer Preis“, der weit über dem Marktwert liegt, geboten wird. Das gehe nicht, heißt es in Berlin. Die Regierung fürchtet Wettbewerbsverzerrungen. „Unsere Marine-Unternehmen sind alle durch das Nadelöhr Strukturveränderung gegangen“. Dagegen seien die französischen Firmen und damit vor allem der staatliche Marinekonzern DCN, der mit Thales zusammengeschlossen werden soll, nicht wettbewerbsfähig.

Die Bundesregierung hat das letzte Wort beim Verkauf des Bremer Marinespezialisten. Das Außenwirtschaftsgesetz sieht ein Vetorecht für den Fall vor, dass ein ausländisches Unternehmen mehr als 25 Prozent einer Rüstungsfirma kaufen will. Berlin kann den Erwerb innerhalb eines Monats untersagen. Das Gesetz war vor einem Jahr auf den Weg gebracht worden, um den Verkauf von Militärtechnologie ins Ausland zu verhindern.

Erst vor einer Woche hatte es die Regierung noch einmal verschärft, um auch den Verkauf von Unternehmen mit Kernkompetenzen in militärischer Produktion verhindern zu können. Berlin sicherte sich auf diese Weise ein Mitspracherecht bei dem Verkauf der Daimler-Chrysler-Tochter MTU-Friedrichshafen.

Man habe kein Interesse daran, die Gesetzes-Karte zu ziehen, sagte der Regierungsbeamte. Gleichwohl müsse man sich schützen. Er gehe davon aus, dass auch die Opposition bemüht sei, die deutsche Marineindustrie zu erhalten. CDU-Politiker wollten gestern dazu keine Stellung nehmen. Doch Unions-Politiker hatten sich in der Vergangenheit ebenfalls für eine Stärkung der deutschen Marineindustrie ausgesprochen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%