Bieterwettstreit
Thyssen kauft Atlas zum Schnäppchenpreis

Der Düsseldorfer Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp und der europäische Luftfahrt- und Militärtechnikkonzern EADS kaufen Atlas Elektronik. Beinahe wäre der militärisch wichtige Bremer Marineausrüster den Franzosen in die Hände gefallen.

HB DÜSSELDORF. Beide Unternehmen werden heute nach eigenen Angaben die Unterzeichnung eines entsprechenden Kaufvertrags mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems bekannt geben. Nach einem monatelangen Bieterwettstreit hat sich das deutsche Konsortium damit gegen das französische Rüstungsunternehmen Thales durchgesetzt, das als letzter ausländischer Kaufinteressent im Rennen war.

Wie es in Verhandlungskreisen heißt, beträgt der Kaufpreis 150 Mill. Euro. Das ist deutlich weniger, als Branchenkenner im Vorfeld der Transaktion erwartet haben. Thales soll BAE Systems angeblich 300 Mill. Euro geboten haben. Der britische Konzern will sich neu ausrichten und braucht Geld. Die Bundesregierung hatte aber gedroht, einen Verkauf an Thales mit einem Veto zu unterbinden. Nach dem Außenwirtschaftsgesetz kann sie Einspruch erheben, wenn mehr als 25 Prozent einer deutschen Rüstungsfirma ins Ausland verkauft werden. Trotz der höheren Thales-Offerte betonen Thyssen-Unternehmenskreise, man habe „einen fairen Preis“ gezahlt.

Atlas Elektronik gilt weltweit als einziger Komplettanbieter für Ausrüstung und Systeme sowohl für U-Boote als auch im Überwasserbereich. Thyssen-Krupp und EADS wollen die Anteile an Atlas im Verhältnis 60 zu 40 untereinander aufteilen. Der Ruhrkonzern erhält dadurch die unternehmerische Führung.

Thales soll es bei dem Bieterwettstreit um Atlas Elektronik vor allem auf die integrierten Elektronik- und Sonarsysteme für U-Boote von Atlas abgesehen haben. Der Grund: Thales will sich mit 30 Prozent an dem staatlichen französischen U-Boot-Bauer DCN beteiligen. Dass jetzt Thyssen-Krupp und EADS und nicht die Franzosen zum Zug gekommen sind, stärke die deutsche Position im Ringen um die europäische Vormachtstellung in der Rüstungsindustrie, sagte ein Branchenkenner. „Atlas ist ein wichtiger Baustein im Kampf um die Führungsposition in der europäischen Rüstungsindustrie.“

Erst zu Jahresbeginn hatte der Ruhrkonzern den Kieler U-Boot-Bauer HDW und dessen Tochtergesellschaften in Schweden und Griechenland übernommen. Alle Gesellschaften wurden unter dem Dach der Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) mit den Werften Blohm + Voss in Hamburg und den Nordseewerken in Emden zusammengeführt. TKMS ist damit der erste und bislang einzige Werftenverbund in Europa. Eine Fusion mit den französischen Konkurrenten Thales und DCN schließt Thyssen-Krupp in den nächsten zehn Jahren aus: Der Zusammenschluss eines privaten Konzerns mit einer Staatswerft könne nicht funktionieren.

Die profitable TKMS erreichte im vergangenen Geschäftsjahr 1,7 Mrd. Euro Umsatz und verfügt über einen Auftragsbestand von elf Mrd. Euro. Atlas wird 2005 rund 300 Mill. Euro Umsatz erzielen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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