Bilanz 2006
EADS rettet sich ins Plus

Glück im Unglück für EADS: Weil das Geschäft mit Raumfahrt, Rüstung und Hubschraubern floriert, konnte der europäische Technologiekonzern den enormen Verlust seiner größten Tochter Airbus im vergangenen Jahr ausgleichen. Die Turbulenzen sind damit aber noch nicht überstanden.

HB MÜNCHEN. Nach einem Überschuss von 1,7 Mrd. Euro im Vorjahr sei 2006 nur noch ein Gewinn von 99 Mill. Euro angefallen, teilte das Unternehmen am Freitag in Oberschleißheim bei München mit. Damit lag EADS allerdings immer noch über den Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit einem Verlust von 91 Mill. Euro gerechnet hatten. Der operative Gewinn vor Firmenwertabschreibungen und außerordentlichen Posten, bei EADS als Ebit ausgewiesen, sank von 2,9 Mrd. auf 399 Mill. Euro. Einen Dividendenvorschlag machte EADS noch nicht. Dieser soll bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsrat besprochen werden.

Dank Rekordauslieferungen bei Airbus und um 30 Prozent höherer Erlöse im Verteidigungsgeschäft stieg der Konzernumsatz um 15 Prozent auf 39,4 Mrd. Euro. Beim Flugzeugbauer Airbus alleine stiegen die Umsätze aufgrund gesteigerter Auslieferungen zwar um 14 Prozent auf 25,2 Mrd. Euro, das Ebit aber brach von plus 2,3 Mrd. Euro auf minus 572 Mill. Euro ein. Darauf reagierten die Anleger verschnupft: EADS-Aktien verbilligten sich in den ersten Handelsminuten um 3,6 Prozent.

Für 2007 erwartet der Konzern wieder einen „erheblichen“ Verlust bei der Tochter Airbus. Grund seien Kosten für die Sanierung des Unternehmens, Ausgaben für die (Weiter-)Entwicklung der neuen Modelle sowie ein sich verschlechternder Dollarkurs. Airbus leidet seit langem unter dem starken Dollar, der die Exporte verteuert. Das Hubschrauber-, Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft sollte dagegen rund laufen, hieß es. Bei einem Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich soll das Ebit im Konzern stabil gehalten werden.

„Unsere Prioritäten für 2007 sind klar: Wir müssen uns operativ weiter verbessern, das Vertrauen in die EADS wieder herstellen und ein schlankeres, dynamischeres Unternehmen formen“, sagten die beiden Konzern-Chefs Tom Enders und Louis Gallois. Die Auslieferungen sollen trotz aller Probleme nochmals steigen und zwar von 434 im vergangenen Jahr auf nun 440 bis 450 Flugzeuge.

Frankreich und Deutschland ringen um die Macht

EADS steckt momentan in der wohl tiefsten Krise seiner Geschichte. Auslöser ist die Lieferverzögerung beim neuen Großraumflieger A380 der Tochter Airbus. Das Flugzeug kommt wegen technischer Probleme zwei Jahre später zu den Kunden, was Schadenersatzzahlungen und Einnahmeausfälle in Milliardenhöhe zur Folge hat. Um dem entgegen zu wirken, hat EADS das Sparprogramm Power8 aufgelegt, das die Streichung von 10 000 Stellen, den Verkauf mehrerer Werke in Deutschland und Frankreich sowie eine Neuorganisation der Produktion beinhaltet. Das führte allerdings zu Streit zwischen den Nachbarländern über die gerechte Verteilung der Lasten und die Funktionsfähigkeit der deutsch-französischen Doppelspitze. Französische Politiker wollen sie abschaffen.

Die Bundesregierung hat am Donnerstag erklärt, nicht auf eine Doppelspitze zu bestehen. Das sagte Peter Hintze, Koordinator für Luft- und Raumfahrt im Wirtschaftsministerium. Eine Kapitalerhöhung sollten indes die Altaktionäre nicht mitzeichnen. Hintze widersprach damit einem Vorstoß von Frankreichs Finanzminister Thierry Breton. Er schlug vor, dass Frankreich sich an der Kapitalerhöhung beteiligt. Das würde aber bedeuten, dass das Land im fein austarierten Machtgefüge bei EADS die Oberhang gewönne.

Es gab am Donnerstag allerdings auch positive Nachrichten: Die finnische Fluggesellschaft Finnair hat als erste Airline weltweit ihre Bestellungen für die alte Version des Langstreckenflugzeugs A350 in eine Order für die verbesserte Version A 350 XWB (Extra Wide Body) umgewandelt. Airbus soll elf Maschinen des Typs A350 XWB sowie sieben Maschinen der älteren Typen A340 und A330 in einem Gesamtwert von rund 2 Mrd. Euro zwischen 2008 und 2013 liefern, teilte Finnair mit. Das Unternehmen hatte bereits Ende 2005 neun A350 inklusive einer Option für zwei weitere Maschinen geordert. Nach massiver Kundenkritik musste Airbus die A350 komplett überarbeiten.

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