Bilanz 2006: VW macht schwere Sanierung vergessen

Bilanz 2006
VW macht schwere Sanierung vergessen

Europas größter Autohersteller Volkswagen hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Dieses Kunststück gelang den Wolfsburgern trotz eines Milliardenbetrages, den sie in die Sanierung ihrer Kernmarke VW gesteckt haben. Seinen Erfolg verdankt Volkswagen nicht zuletzt den Kunden, die fleißig gekauft haben.

HB HAMBURG. Das Ergebnis nach Steuern hat sich 2006 von 1,12 auf 2,75 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. Die Zahl der Auslieferungen an Kunden legte um 9,4 Prozent auf 5,73 Mill. Fahrzeuge zu, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Allerdings drückten hohe Kosten für die Sanierung auf das Ergebnis. Der operative Gewinn nach Sondereinflüssen fiel um 21 Prozent auf 2,0 Mrd. Euro. Darüber sahen die Börsianer aber großzügig hinweg und ließen die Aktie im Tagesverlauf um bis zu 7 Prozent steigen.

Mit der Buchung hoher Sondereffekte verkraftete VW die finanziellen Belastungen der Sanierung weitgehend bereits in seiner Bilanz 2006. Nach Analystenschätzungen beliefen sich die Kosten für die Sanierung des Autogeschäfts im abgelaufenen Jahr auf rund 2,5 Mrd. Euro. Dem stehen positive Effekte aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen gegenüber, speziell der Autovermiet-Tochter Europcar und der IT-Sparte Gedas. Außerdem konnte der Konzern nach eigenen Angaben ein Körperschaftssteuerguthaben von fast 1 Mrd. Euro verbuchen. Vor Sondereinflüssen steigerte VW den operativen Gewinn um mehr als 52 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro. Analysten hatten im Schnitt nur mit 4,2 Mrd. Euro gerechnet.

Der größte Brocken bei der Sanierung entfällt auf den mit der IG Metall abgeschlossenen Tarifabschluss. Darin hat der Konzern als Ausgleich für eine Arbeitszeitverlängerung auf bis zu 34 Wochenstunden eine einmalige Rentenzuzahlung von 6 300 Euro je Beschäftigten vereinbart. Dafür mussten Rückstellungen gebildet werden. Geld kostet auch der Abzug der Produktion des Golf aus dem Werk in Brüssel nach Wolfsburg. Beim Abbau von bis zu 20 000 Stellen in Westdeutschland musste VW zudem Abfindungen zahlen.

Dividende leicht erhöht

Wie der Wolfsburger Konzern weiter mitteilte, soll die Dividende um je 10 Cent auf 1,25 Euro je Stamm- und 1,31 Euro je Vorzugsaktie angehoben werden. An der Börse war zuvor allerdings auf Basis einer Analystenstudie der Commerzbank auf eine Anhebung auf bis zu 2 Euro je Anteilsschein spekuliert worden.

Für 2007 kündigte der Vorstand eine weitere Steigerung des operativen Ergebnisses vor Sondereinflüssen an sowie einen leicht besseren Fahrzeugabsatz. Die Aktivitäten zur Verbesserung der Kostenstrukturen und der Prozesse sollen 2007 mit „unverminderter Kraft“ fortgesetzt werden. Der Marktanteil des Volkswagen-Konzerns in Europa war von 18,9 Prozent im Jahr 2005 auf 19,9 Prozent im Jahr 2006 gestiegen. Der Umsatz legte um 11,6 Prozent auf 104,9 Mrd. Euro zu.

Detaillierte Angaben zum Abschneiden bei den einzelnen Marken und Regionen will der Konzern erst auf der Bilanz-Pressekonferenz am 9. März machen.

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