Bilanz 2011
BASF gibt sich mit Rekordjahr nicht zufrieden

Die Konjunktur in der Chemiebranche hat sich zuletzt abgekühlt - das bekam auch BASF zu spüren. Doch der Dax-Konzern hat sich besser geschlagen als erwartet und die Gesamtbilanz für 2011 fällt ohnehin positiv aus.
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Ludwigshafen/FrankfurtUngeachtet einer Ertragsdelle im vierten Quartal ist der Chemiekonzern BASF mit Zuversicht ins neue Jahr gestartet. Man strebe an, beim Umsatz und dem Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen neue Spitzenwerte zu erreichen. Zwar werde man die sehr guten Werte des Vorjahres in den ersten beiden Quartalen wohl nicht erzielen, gehe aber von einem Zuwachs im zweiten Halbjahr aus. „Wir rechnen damit , dass das weltweite Wirtschaftswachstum nach einem moderaten Start im Jahresverlauf 2012 anziehen wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende Kurt Bock.

Im vergangenen Jahr steigerte der weltweit führende Chemiekonzern seinen Umsatz um 15 Prozent auf 73,5 Milliarden Euro und den Betriebsgewinn (Ebit) vor Sondereinflüssen um vier Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Das Ebit einschließlich Sonderfaktoren legte um ein Zehntel auf 8,6 Milliarden Euro zu, der Nettogewinn sogar um ein Drittel auf den neuen Rekordwert von 6,2 Milliarden Euro.

Seine Dividende will das Unternehmen nun um 30 Cent auf 2,50 Euro je Aktie erhöhen. Das ist der höchste Wert in der Firmengeschichte.

 Umsatz Änd.Ebit Änd.Ebit-
in Mio. Euro20102011(%)20102011(%)Marge
BASF63.87373.49715,17.7618.58610,611,7
Dow Chemical38.55943.09311,83.0453.52215,78,2
Sabic28.99136.29325,27.2299.32529,025,7
LyondellBasell29.56336.66324,02.1152.87235,87,8
Dupont22.63327.27120,53.0903.39710,012,5
Akzo14.64015.6977,21.2191.042-156,6
Solvay *)11.09512.69314,412261.4081511,1

Ähnlich wie die meisten Konkurrenten wird auch die Entwicklung bei der BASF von einer starken Performance im ersten Halbjahr geprägt, wogegen  das Schlussquartal deutlich schwächer ausfiel. Zwar legte der Umsatz im vierten Quartal noch um ein Zehntel auf 18 Milliarden Euro zu, der bereinigte Betriebsgewinn lag mit 1,5 Milliarden Euro indessen um 14 Prozent unter Vorjahresniveau. Die Analystenschätzungen hat der Konzern bei dieser Ertragskennziffer damit knapp verfehlt. Das Ebit nach Sonderfaktoren (1,9 Milliarden Euro) wie auch der Nettogewinn (1,13 Milliarden Euro) haben sich jedoch gegenüber den Vorjahreswerten leicht verbessert und lagen um rund ein Fünftel über den Erwartungen.

Das operative Ergebnis der BASF profitierte 2011 von der Integration des Spezialchemieherstellers Cognis und von steigenden Erträgen in fast allen Chemiesparten. Dagegen wurde die Sparte Öl + Gas durch den Ausfall der Ölproduktion in Libyen belastet, die erst im Oktober wieder schrittweise aufgenommen werden konnte. „Die Entwicklung des Ölpreises ist aktuell unsere größte Sorge“, sagte Konzernchef Bock. Im laufenden Jahr dürfte die Libyen-Produktion indessen zu deutlich steigenden Erträgen im Bereich Öl + Gas beitragen, zumal dem Geschäft ein relativ hoher Ölpreis zugute kommt. Das BASF-Management kalkuliert mit einem Brent-Ölpreis, der sich weiter auf dem Vorjahresniveau  von 110 Dollar je Barrel bewegt. Mit steigendem Ölpreis erhöhen sich für viele Sparten des Konzerns die Rohstoffkosten.

Die Prognosen des Branchenführers für 2012 untermauern einen Trend, den in den vergangenen Tagen bereits die Aussagen anderer Chemiehersteller andeuteten. Die meisten Firmen betrachten die Absatzschwäche seit Jahresmitte 2011 als eine eher sanfte Konjunkturdelle, die im Jahresverlauf 2012 wieder von steigenden Mengen und Erlösen abgelöst wird.

Hintergrund ist die Vermutung, dass viele Weiterverarbeiter aufgrund der Konjunkturunsicherheiten im zweiten Halbjahr 2011 besonders vorsichtig orderten und ihre Lagerbestände reduzierten. Da sich die Konjunkturaussichten inzwischen wieder aufgehellt haben, so die Erwartung, dürfte sich dieser Trend im Chemiegeschäft im Laufe des Jahres wieder umkehren.

Analysten äußerten sich positiv. „Der positive Ausblick für die globale Wirtschaft und BASF ist überraschend“, erklärten die Analysten der DZ Bank. „Sehr positiv werten wir den Ausblick für 2012“, kommentierten auch die Analysten der LBBW. Die BASF-Aktie gewann 2,3 Prozent auf 66,06 Euro und war damit zweitgrößter Dax-Gewinner. Auch für das Jahr 2013 wagte BASF-Chef Bock erste Aussagen: Sollte sich die Staatsschuldenkrise im Euroraum nicht verschärfen und sich der Aufschwung in Nordamerika fortsetzen, erwarte der Konzern auch 2013 Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis.

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