Bilanz 2011
Eon rutscht erstmals in die roten Zahlen

Eon schreibt zum ersten Mal in seiner Geschichte rote Zahlen. Deutschlands größter Versorger schiebt das auf die Atomwende. Doch daran hat es keineswegs allein gelegen. Die Anleger zeigen sich aber versöhnlich.
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DüsseldorfDer größte deutsche Energiekonzern Eon hat nach der Atomwende den ersten Nettoverlust seiner Geschichte eingefahren. Im Geschäftsjahr 2011 fiel ein Fehlbetrag von 2,219 Milliarden Euro an, wie der Versorger am Mittwoch mitteilte, nachdem Eon 2010 noch 5,853 Milliarden Euro Gewinn einstrichen hatte. Dem Konzern machten die Abschaltung mehrere Atomkraftwerke und die neue Kernbrennstoffsteuer ebenso zu schaffen wie das schwächelnde Gasgeschäft.

„Politische Entscheidungen und massive Veränderungen in unseren Märkten stellen uns vor nie gekannte Herausforderungen“, schrieb Vorstandschef Johannes Teyssen im Geschäftsbericht an die Aktionäre. Der größte AKW-Betreiber in Deutschland hatte seine Meiler Isar 1 und Unterweser stilllegen müssen, die dem Konzern jahrelang die Kasse gefüllt hatten. Die Abschaltung der Meiler und die Brennelementesteuer hätten das Ergebnis mit 2,5 Milliarden Euro belastet. Im Gashandel, wo Eon unter teuren Langfristverträgen mit Unternehmen wie Gazprom leidet, fuhr der Versorger einen Verlust im hohen dreistelligen Millionenbereich ein.

In der Folge fiel das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 30 Prozent auf 9,293 Milliarden Euro und der für die Dividende entscheidende nachhaltige Überschuss sogar um 49 Prozent auf 2,501 Milliarden Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem nachhaltigen Überschuss von 2,365 Milliarden Euro gerechnet. Die Eon-Aktionäre sollen eine Dividende von einem Euro je Aktie erhalten nach 1,50 Euro je Anteilsschein in den beiden Vorjahren.

Für das laufende Jahr geht Eon davon aus, teilweise bereits wieder zulegen. So soll das Ebitda auf 9,6 bis 10,2 Milliarden Euro klettern. Der nachhaltige Überschuss soll zwischen 2,3 und 2,7 Milliarden Euro betragen. Der Konzern peilt für 2012 eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie an. 2013 soll es weiter bergauf gehen.

Der positive Ausblick zeigte Wirkung an der Börse: Zu Handelsbeginn führte die Eon-Aktie den Dax mit einem Plus von 4,5 Prozent Vorsprung an und baute die Gewinne später auf bis zu sechs Prozent aus.

Sehr schnell sollen demnach Teyssens Maßnahmen greifen, mit denen er unter anderem die jährlichen Kosten um 1,5 Milliarden Euro drücken will. Hierzu wird er auch bis zu 11.000 der rund 80.000 Arbeitsplätze streichen, darunter 6.000 in Deutschland. Neues Wachstum soll das Geschäft mit Ökostrom bringen und der Vorstoß in neue Märkte. Der Manager hatte bereits im Januar angekündigt, in den brasilianischen Markt einzusteigen. „Auch in der Türkei und in Indien sind wir derzeit mit Partnern über Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Gespräch und erwarten konkrete Ergebnisse im Laufe des Jahres“, sagte der Eon-Chef.

Bei Eon haben sich nicht nur die Auswirkungen der Energiewende auf die Bilanz ausgewirkt. Auch das schwierige Gasgeschäft und Aktivitäten in Italien und Spanien belasten das Ergebnis. Dort mussten Milliarden abgeschrieben werden. Das Minus ist das erste in der Eon-Firmengeschichte. Konzernchef Johannes Teyssen hatte den Absturz bereits im vergangenen Dezember angedeutet. Die Aktionäre sollen dennoch wie versprochen 1,00 Euro Dividende erhalten.

Immerhin gab es heute beim Gasgeschäft gute Nachrichten: Eon hat sich mit Norwegen über neue Konditionen zur Gaslieferung geeinigt. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte, werde Eon künftig 25 Prozent seines gesamten Gasbezugs zu Preisen auf Marktniveau beziehen können. Vorstandsmitglied Jörgen Kildahl hatte mit der norwegischen Statoil am Dienstagabend einen Durchbruch bei den Verhandlungen erzielt.

Die Eon-Tochter Ruhrgas steht wegen der langfristigen Lieferverträge mit höheren Preisen unter erheblichem Druck, weil Gas am Markt zu günstigeren Preisen zu kaufen ist. Im vergangenen Jahr waren bei Eon im Gashandel die Ergebnisse um 700 Millionen Euro zurückgegangen. Seit einiger Zeit verhandeln die Düsseldorfer bislang erfolglos mit dem russischen Gasriesen Gazprom über eine Anpassung der Preise. Derzeit liegt der Fall vor dem Schiedsgericht. Insgesamt bezieht Eon 35 Prozent der Mengen von Gazprom.

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Teyssen bringt Belegschaft gegen sich auf

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  • Lassen sie es ruhig 100 % sein, aber eben auch mit dem Zuatz von Verbraucherkontrollen, nicht nur irgenwelche Politiker, die im Ausfichtsrat sitzen und abnicken aus eigenem Intersse detr nichts mit deren Stromverbrauch und deren Kosten zu tun hat. Kostenerhöhungen sind dann klar aufzuschlüsseln. Nix von wegen einfach mal so erzählen: "..Ja die Beschaffungskosten sind höher und...blabla."

    Lückenlose Nachweise

  • @missionpossible

    Sie fragten, woher Kohle usw. kommen kann. Sie fragten jedoch nicht nach der Wirtschaftlichkeit.^^

    Ich gehe mit ihnen aber konform, dass die Rolle rückwärts mittlerweile nicht mehr machbar ist.

    zur Verstaatlichung:
    Bei der Sache musste ich schmunzeln. Schaut man sich nämlich mal die Aktionärsstruktur von RWE an, entdeckt man, dass dort zu ca. 25% deutsche Kommunen beteiligt sind und still und heimlich ordentlich mitverdienen.^^

  • @Johannes

    Warum wohl wurden Kohle und Uranabbau weitgehend eingestellt? Zu unwirtschaftlich und riskant: wars nicht im Saarland, wo die letzte Zeche dort geschlossen wurde, weil Häuser und mehr einzustürzen drohte bzw. es taten?

    Ich gebe ihnen recht: sofort auf 100 % EE umzusteigen geht nicht, hat auch keiner hier behauptet, nur die Rolle rükwärts (AKW`s ausbauen etc.) ist ökonomisch und ökologisch Nonsens: das sehen hoffentlich auch sie ganz sachlich genauso.

    Lassen Sie uns die Energiewirtschaftt verstattlichen, dann für vernünftige Preise sorgen ("Wettbewerb" ist hier doch ein Witz) und klare Anreize zum Sparen setzen: das wollen die Konzerne nämlich gar nicht, ist doch logisch. Glaue sie mir, dann köne wir bald ein paar Kraftwere mehr abschalten.

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