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Bilanz 2011: Flugzeugbranche schafft Rekordjahr

Die hohe Nachfrage aus den Schwellenländern und der Trend zu spritsparenden Maschinen bescheren der Luftfahrtindustrie einen Auftragsboom. Airbus-Chef Enders dämpft aber die Erwartungen für 2012.

Der Airbus A320neo: Für die EADS-Tochter und Boeing ging es 2011 richtig aufwärts. Quelle: dpa
Der Airbus A320neo: Für die EADS-Tochter und Boeing ging es 2011 richtig aufwärts. Quelle: dpa

MünchenWenn Airbus-Chef Thomas Enders in diesen Tagen die Bücher schließt, ist eines sicher: Den Flugzeugbauern in Hamburg und Toulouse geht die Arbeit nicht aus. 1521 Maschinen hat Airbus bis Ende November verkauft - mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007. Und das Jahr ist noch nicht vorbei. "Vor dem Jahresabschluss könnten noch weitere Verträge unterschrieben werden", heißt es in der Airbus-Zentrale in Toulouse.

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Auch der Airbus-Rivale Boeing hat volle Auftragsbücher. Mit 778 Bestellungen bis Ende Dezember liegt Boeing zwar deutlich hinter Airbus. Beide haben aber mehr Aufträge erhalten als sie trotz gesteigerter Produktion 2011 ausliefern werden.

Deshalb freut sich Enders sogar darüber, dass die Bestellungen 2012 wohl nachlassen werden. Er erwartet deutlich weniger als halb so viele Aufträge wie in diesem Jahr. Der Airbus-Chef geht davon aus, dass die Bestellungen 2012 in etwa den 530 Maschinen entsprechen, die das Unternehmen 2011 produziert hat. Der Rückgang kommt Enders gelegen, weil er sonst die vielen bestehenden Aufträge nicht abarbeiten könnte, sagte er nach Angaben der "Financial Times Deutschland" vor Analysten.

Trotz des erwarteten Rückgangs will er die Produktionskapazitäten weiter ausbauen. Denn seine Kunden sind im Kaufrausch. Der wichtigste Grund dafür ist der kräftig wachsende Luftverkehr: Doppelt so schnell wie das Bruttosozialprodukt werden die Passagierzahlen in den kommenden zwanzig Jahren wachsen, prognostiziert der Weltluftfahrtverband IATA. Airbus und Boeing gehen davon aus, dass bis 2020 zwischen 25 000 und 30 000 neue Passagier- und Frachtflugzeuge gebraucht werden.

EADS-Aktionärsstruktur mit politischer Brisanz

  • European Aeronautic Defence and Space Company

    EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

  • Die französische Seite

    Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

  • Die deutsche Seite

    Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

  • Die spanische Seite

    Weitere 5,5 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

  • Der Aktionärspakt

    Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

  • Die Machtzentren

    Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Den Markt treiben die Schwellenländer. Chinesen, Inder und vor allem Araber stocken ihre Flotten massiv auf. In Asien gibt es weder Finanzierungs- noch Wachstumsprobleme. Das gilt ganz besonders für die großen Langstreckenflugzeuge mit mehr als 250 Sitzplätzen, mit denen die Airlines zwischen den Kontinenten fliegen.
Lufthansa hat aus Angst vor einer Rezession zwar alle Investitionen gestoppt. Andere Hersteller bleiben aber optimistisch: Emirates aus Dubai übertrumpft die Konkurrenz mit Bestellungen. Nachdem die Araber 90 Großraumjets vom Typ A380 bestellt haben, denkt Emirates-Chef Tim Clark bereits laut über eine zusätzliche Erweiterung der Flotte nach. Er sei "wirklich erpicht darauf" weitere Maschinen des rund 250 Millionen Euro teuren Doppelstöckers zu kaufen, bekannte Clark kürzlich, obwohl die Masse seiner bestellten Riesenflieger noch gar nicht gebaut ist.

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