Bilanz der rot-grünen Regierungszeit
Eine seltsame Hassliebe in drei Akten

Die deutsche Wirtschaft blickt mit gemischten Gefühlen auf Kanzler Schröder und das rot-grüne Projekt zurück.

Wenn der Berliner Politikbetrieb ein Theater wäre – auf der Bühne die Regierenden, im Publikum die Führungsspitzen der deutschen Wirtschaft – es käme im Laufe des Schauspiels eine bemerkenswerte Kakophonie aus Jubelstürmen und Buhrufen heraus. „Die Bundesregierung ist mit ihrer Politik der Umverteilung total gescheitert“, übt DIHT-Präsident Hans-Peter Stiehl schon 1999 vernichtende Kritik. „Ich finde gut, was der Bundeskanzler macht. Er hat für die Konsequenz seines Reformkurses meine absolute Unterstützung“, befindet hingegen lobend Daimler-Boss Jürgen Schrempp im Jahr 2004.

Bilanzieren deutsche Top- Manager und Unternehmer die rot-grüne Regierungszeit sind sie gespalten. Drei Hauptgründe dürften dafür verantwortlich sein: Erstens die Heterogenität der beiden Legislaturperioden mit mindestens drei unterschiedlichen Phasen, zweitens das Interesse des Kanzlers für die Großindustrie beziehungsweise sein offenkundiges Desinteresse für den unternehmerischen Mittelstand und drittens die persönlichen Vorlieben diverser Manager für den Schröderschen Lebens- und Kommunikationsstil.

Wie im Theater gab es auch in der Regierungszeit Schröder verschiedene Akte. Während die Startphase 1998 bis zum unsanften Abgang des Finanzministers und Schattenkanzlers Oskar Lafontaine von „wirtschaftsfeindlichen“ Themen wie Ökosteuer oder der Rücknahme von Einschnitten im Sozialbereich geprägt waren, kamen später mit Steuerreform und Agenda 2010 Szenen auf die Bühne, die das Publikum aus der Wirtschaft zu teils kräftigem Applaus anstachelten. So äußerte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die klare Meinung: „Rot-Grün hat (...) die richtigen Akzente gesetzt. Der Wille zu Reformen ist da.“ Noch im letzten Jahr feuerte der damalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, den Kanzler geradezu leidenschaftlich an: „Durchhalten, durchschwimmen! Aufhören heißt Untergang, das wünschen wir ihnen nicht.“

Von diesem Rückhalt ist heute nicht mehr viel zu spüren. Angesichts der letzten Umfragenoten, die dem Kanzler von den Führungskräften der deutschen Wirtschaft gegeben wurden, kommt man zu dem Schluss: Corporate Germany hat dem einstigen Genossen der Bosse den Rücken gekehrt.

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