Bilanzanalyse Wie sich EADS vom Staat emanzipieren will

EADS will sich aus den Fängen der Politik befreien. Doch gerade jetzt wird neben Spanien und Frankreich auch der deutsche Staat Aktionär. Welche Aufgaben auf den neuen Chef Thomas Enders warten.
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EADS-Chef Thomas Enders, links, und Louis Gallois mit einem Modell des Langstreckenflugzeugs A350. Ob Airbus-Mutter EADS demnächst auch bilanztechnisch abhebt, bleibt fraglich. Quelle: ap

EADS-Chef Thomas Enders, links, und Louis Gallois mit einem Modell des Langstreckenflugzeugs A350. Ob Airbus-Mutter EADS demnächst auch bilanztechnisch abhebt, bleibt fraglich.

(Foto: ap)

MünchenHeute trifft sich in Amsterdam wieder eine illustre Gemeinde. Im grellbunten Ambiente des Hotels Okura tagt die Hauptversammlung eines der größten Konzerne des Kontinents - auch wenn das kaum einen Niederländer interessiert.

Die Niederlande braucht der größte Flugzeughersteller der Welt nur als Postadresse und als neutrales Terrain. Die Aktionäre kommen meist aus Deutschland und Frankreich.

So wie sich Europa Brüssel als Hauptstadt ausgesucht hat, so ist das kleine Städtchen Leiden Hauptstadt des wichtigsten europäischen Gemeinschaftsunternehmens. Die Briefkastenfirma in Südholland ist einer dieser kleinen, feinen Kompromisse, ohne die die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) wohl nie gegründet worden wäre.

Und wie es aussieht, wird der prominente Briefkasten wohl noch lange in Leiden hängen. Denn eine lange diskutierte Änderung der Unternehmenssatzung, die einige der Geburtsfehler der EADS hätte beseitigen können, liegt seit Jahren auf Eis.

Denn die EADS ist ein Gigant, dessen grobe Richtung nur schwer zu steuern ist. 130 000 Menschen arbeiten für den Luft- und Raumfahrtkonzern, der pro Jahr fast 50 Milliarden Euro erlöst. Die Töchter Airbus und Eurocopter sind Weltmarktführer für Passagierflugzeuge und Hubschrauber. Astrium schießt die stärksten Raketen ins Weltall, Cassidian baut mit dem Eurofighter eines der stärksten Kampfflugzeuge.

Kaum ein anderes Unternehmen vereint so viele Technologien unter einem Dach wie EADS. Und kein anderes Unternehmen in Europa steckt so voller Konflikte und Probleme wie die Airbus-Mutter. So wie 2012 ein Schicksalsjahr für die europäische Gemeinschaftswährung werden dürfte, so werden auch die kommenden Monate für EADS von großer Bedeutung sein.

Der Euro und die EADS sind gleich alt. Mit der Einführung der gemeinsamen Währung zur Jahrtausendwende legten die Regierungen in Paris, Madrid und Berlin auch ihre Luft- und Raumfahrtindustrie zusammen, um sich gegen die Konkurrenz aus den USA und den Schwellenländern behaupten zu können.

Nach mehr als einem Jahrzehnt EADS liegen Chancen und Risiken immer noch dicht beieinander: Auf der einen Seite steht ein riesiges Auftragsbuch, auf der anderen Seite existieren große technische und damit wirtschaftliche Risiken. Der designierte EADS-Chef Tom Enders pocht auf wirtschaftliche Freiheit, die europäischen Regierungen drängen auf mehr Kontrolle.

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