Bilanzen
BMW und Volkswagen rechnen sich schön

Die deutschen Autokonzerne wollen ihre Forschung und Entwicklungsausgaben in den kommenden Jahren weiter steigern. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts. Allein BMW, Daimler-Chrysler und Volkswagen geben pro Jahr schon jetzt knapp 13 Mrd. Euro für die Entwicklung neuer Modelle aus.

DÜSSELDORF/ FRANKFURT. Für die Öffentlichkeit stecken hinter diesen Zahlen neue Sportcoupés, Geländewagen oder Familienvans. Doch die Autokonzerne betreiben mit ihren Forschungs- und Entwicklungsausgaben auch Bilanzkosmetik. Volkswagen verdoppelt schon seit Jahren seinen Jahresüberschuss, in dem der Konzern einen Teil der Entwicklungskosten als Vermögen aktiviert. BMW schönt sein Ergebnis auf diese Weise um bis zu 25 Prozent. Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Universität Saarbrücken, warnt deshalb vor den „bilanzpolitischen Schachzügen“ der Konzerne.

Nur der Stuttgarter Autobauer Daimler-Chrysler, dessen FuE-Budget zwischen 5,5 und sechs Mrd. Euro konkurrenzlos hoch ist, zieht aus den Entwicklungsausgaben keinen Nutzen – jedenfalls nicht für sein Ergebnis. Grund: Daimler-Chrysler bilanziert nach der US-Rechnungslegung GAAP. Die verbietet es grundsätzlich, solche Ausgaben in der Bilanz zu aktivieren. Genau so wie das deutsche Handelsgesetzbuch HGB, nach dem Porsche rechnet.

BMW und VW bilanzieren dagegen nach der internationalen Norm IFRS. Und die fordert sogar, zumindest einen Teil der Ausgaben, die in der Entwicklungsphase neuer Automodelle anfallen, als immaterielles Vermögen in der Bilanz zu aktivieren. Ergebnis: „Ein Vergleich von Jahresabschlüssen derselben Branche kann deshalb zu völlig falschen Schlüssen führen“, sagt Küting. Zumal in der Aktivierung auch erhebliche Risiken stecken: Denn erweist sich ein neues Automodell als Flop, müssen die Konzerne abschreiben, was das Ergebnis belastet.

Nach den Regeln dürfen Entwicklungskosten nur bis zu der Höhe aktiviert werden, die „künftig wirtschaftlichen Nutzen“ bringt. 2004 waren das bei BMW 40 Prozent, bei VW 36 Prozent. Die Gesamtbudgets für Forschung und Entwicklung dieser Konzerne lagen zuletzt bei 4,2 Mrd. Euro (VW) und 2,8 Mrd. Euro (BMW). Das ergaben die Berechnungen von Kütings Institut IWP.

Für Porsche gilt wegen des HGB das Aktivierungsverbot. Doch hüllen sich die Zuffenhausener ohnehin in Schweigen. Das Forschungsbudget ist Betriebsgeheimnis. Zu erfahren ist nur so viel: .„Der geplante Viersitzer Panamera sowie die Investitionen in die Hybrid-Technik werden den Etat sicherlich nicht kleiner werden lassen“, sagte ein Porsche-Sprecher.

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