Bilanzielle Risiken: Jetzt rächen sich teure Zukäufe

Bilanzielle Risiken
Jetzt rächen sich teure Zukäufe

In der Krise wird sich die ungezügelte Einkaufstour vieler Unternehmen bitter rächen. Neben Schulden handelten sie sich ein weiteres bilanzielles Risiko ein: hohe Geschäfts- oder Firmenwerte, die bei einbrechender Konjunktur abgeschrieben werden müssen. Und das tut in Krisenzeiten besonders weh.

DÜSSELDORF. Die Hoffnung auf glänzende Geschäfte der Neuerwerbung hatte Konzernchefs dazu verführt, satte Aufpreise zu akzeptieren. „Die große Bedeutung des Goodwill“, sagt Wirtschaftsprofessor Karlheinz Küting, „zeigt sich jetzt in der Krise.“ So prüft der Autozulieferer Continental derzeit sogar eine Kapitalerhöhung über eine Mrd. Euro, um die negativen Folgen drohender Abschreibungen aufzufangen. Vor allem durch die Übernahme des Konkurrenten VDO hatte sich Conti mehr als sieben Mrd. Euro Goodwill in die Bilanz geholt. Doch die Autokonjunktur ist unerwartet und scharf eingebrochen.

Die Hannoveraner sind nicht die Einzigen. Zum Jahresabschluss müssen alle Unternehmen, die nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS bilanzieren, den Impairment-Test machen. Konkret: Die Geschäfts- oder Firmenwerte werden auf Werthaltigkeit geprüft. Und die sinkt durch die Rezession mit hohem Tempo. Herbert Meyer, Chef der deutschen Bilanzpolizei, hat denn auch schon vor Wochen angekündigt, in diesem Jahr die Geschäfts- und Firmenwerte in den Bilanzen besonders zu prüfen.

Die Deutsche Post beispielsweise büßt jetzt für die teure Expansion ihres vormaligen Chefs Klaus Zumwinkel in den USA. Allein im Geschäftsjahr 2008 wird sein Nachfolger Holger Appel auf den Goodwill wohl eine Mrd. Euro abschreiben müssen. Das sind knapp zehn Prozent der Firmenwerte in der Postbilanz des Vorjahres. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor.

Scharf gerechnet wird derzeit in allen Vorstandsetagen. Mehr als 175 Mrd. Euro Geschäfts- oder Firmenwerte standen Ende 2007 in den Bilanzen der 127 größten deutschen Konzerne. Das hatte das Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) für den Handelsblatt-Firmencheck berechnet. Bedrohlich ist es vor allem für die Konzerne, die mehr Hoffnungswerte (Goodwill) ausweisen als Eigenkapital. Das waren immerhin elf Unternehmen (siehe Tabelle) – an der Spitze der TV-Sender Pro Sieben Sat1. Dort übersteigt der Goodwill das Eigenkapital um das Zweieinhalbfache. Der Sender steht auch wegen seiner hohen Verschuldung unter scharfer Beobachtung.

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