Bilanzkorrektur
GM erholt sich auf dem Papier

Der weltgrößte Autobauer General Motors hat die Bilanz fürs erste Quartal korrigiert und dabei aus einem Verlust einen Gewinn gemacht. Das erste Zeichen für eine Erholung es angeschlagenen Riesen? Mitnichten, sagen die Analysten. Der Schritt könnte dem Unternehmen sogar schaden.

HB DETROIT. Hintergrund der Bilanzkorrektur ist die Neubewertung von Ausgaben zur Gesundheitsversorgung pensionierter Mitarbeiter, wie GM am Montag nach US-Börsenschluss mitteilte. GM hatte bei der Vorlage seiner Quartalszahlen am 20. April bereits erklärt, die Bilanz könnte mit der endgültigen Bewertung dieser Sonderbelastung noch revidiert werden.

Den jetzt vorliegenden Zahlen zufolge machte GM in den ersten drei Monaten einen Gewinn von 445 Mill. Dollar und kam damit erstmals seit fünf Quartalen wieder in die schwarzen Zahlen. Im April hatte das Unternehmen für das erste Quartal noch einen Verlust von 323 Mill. Dollar ausgewiesen. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus sogar 1,3 Mrd. Dollar betragen.

Die Differenz zwischen dem endgültigen und dem vorläufigen Ergebnis basierte vor allem auf der Krankenversicherungsvereinbarung für die GM-Betriebsrentner mit der US-Automobilarbeitergewerkschaft UAW. GM wird im Rahmen des Abkommens Milliarden einsparen, da die Betriebsrentner erstmals bei den Krankenversorgung kräftig zur Kasse gebeten werden. GM hatte sich aber im Zuge der Vereinbarung auch bereit erklärt, jeweils 1 Mrd. Dollar in den Jahren 2006, 2007 und 2011 in einen neuen Sonderfonds für die Betriebsrentner einzuzahlen. Der Autohersteller hatte lange Zeit mit der US-Börsenaufsicht SEC darüber diskutiert, wie diese 3 Mrd. Dollar verbucht werden müssen. Sie werden jetzt über einen Zeitraum von 7 Jahren verbucht, beginnend erst im dritten Quartal 2006. Das nun abgeschlossene erste Quartal blieb deshalb davon verschont.

Analysten äußerten sich zurückhaltend zu dem Bilanzschritt. „Das ist weder gut noch schlecht“, sagte Kevin Tynan von Argus Research. Die revidierten Zahlen könnten aber für Verwirrung sorgen. „Es könnte auch Anleger abschrecken, die sich nicht die Zeit nehmen wollen, um zu begreifen, was diese Dinge von Quartal zu Quartal bedeuten“, sagte Tynan.

Die Bilanzen von GM stehen unter strenger Beobachtung der Marktteilnehmer, seit der Konzern seine Verluste für 2005 anfangs zu niedrig ausgewiesen hatte und die Veröffentlichung seines Jahresberichtes verschieben musste. GM hatte schließlich statt 8,6 stolze 10,6 Mrd. Dollar Minus ausgewiesen.

GM versucht mit einem radikalen Sparkurs, wieder nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften. Zehntausende Mitarbeiter müssen gehen, ganze Werke werden geschlossen, die Gesundheitsleistungen für die Mitarbeiter gekürzt. Konzernchef Rick Wagoner sprach im April von einer guten Strategie, die erste Früchte trage. „Es gibt natürlich noch viel mehr zu tun, und wir werden dies tun.“

Um der schleppenden Nachfrage in Nordamerika zu begegnen, krempelte GM jüngst seine Sparte für Sportgeländewagen (SUVs) um. Während erste Zahlen einen guten Absatz der neuen Fahrzeugtypen belegen, äußerten Analysten die Sorge, dass höhere Benzinpreise die Nachfrage nach SUVs mit ihrem vergleichsweise hohen Verbrauch dämpfen könnten.

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