Bilanzmodernisierung
Zulieferer zweifeln am Wert der Bilanzreform

Entwicklungskosten sollen künftig als Anlagevermögen statt als Aufwand gebucht werden und damit das Eigenkapital steigern. Vor allem mittelständische Zulieferbetriebe profitieren von der Neuregelung. Bei den Großen der Branche wird die Bilanzmodernisierung verhalten aufgenommen.

HAMBURG. Die von der Autokrise gebeutelten deutschen Zulieferer reagieren verhalten auf eine bilanzielle Neuregelung, die sie nach Darstellung der Bundesregierung entlasten wird. Zukünftig sollen Entwicklungskosten für Teile, Komponenten und Fahrzeugkonzepte als Anlagevermögen statt als Aufwand ausgewiesen werden können. „Daran wird die Industrie nicht genesen“, sagten Branchenvertreter dem Handelsblatt.

Anders sieht das der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie, die rund 9 000 überwiegend mittelständische Unternehmen vertritt. „Alles was hilft, die Eigenkapitalbasis der Automobilzulieferer zu stärken, ist aktuell eine willkommene Hilfe“, sagte Theodor Lutz Tutmann.

Heute soll der Bundesrat das bereits vom Bundestag verabschiedete Gesetz zur Bilanzmodernisierung (BilMoG) verabschieden. Tritt die Novelle des Handelsgesetzbuches (HGB) wie erwartet in Kraft, können auch forschungsintensive Mittelständler wie Automobilzulieferer ihre Entwicklungskosten als Anlagevermögen ausweisen – und damit die Eigenkapitalbasis stärken.

Das war bislang nur Unternehmen wie Continental, Daimler oder Volkswagen möglich, die nach den internationalen Standards IFRS bilanzieren. Ab dem Jahresabschluss 2009 können das auch am heimischen HGB ausgerichtete Firmen tun. „Die neue Regelung ist für mittelständische Zulieferer von Bedeutung, die keine Kapitalmarktorientierung haben. Profitieren sollen vor allem junge und innovationsfreudige Unternehmen“, sagt Eckhard Lehmann, Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing.

Experten zufolge hilft die Erhöhung des Eigenkapitals der Zulieferbranche: Bislang haben die oftmals hohen Entwicklungskosten lediglich den Charakter von stillen Reserven. Mit der Novelle können sie wie andere Investitionen als Vermögenswerte behandelt werden. „Die Transparenz der Bilanz wird größer. Die Möglichkeit, Entwicklungskosten zu aktivieren, verbessert die Eigenkapitalquote als wichtige Ratingkennziffer für die Kreditvergabe der Banken“, sagt Lehmann.

Der Konzernabschluss von Daimler für das vergangene Jahr weist etwa eine Quote von aktivierten Entwicklungskosten zur Bilanzsumme von 3,6 Prozent auf, bei Volkswagen waren es 4,5 Prozent. Dabei ist die gewünschte Hilfe für mittelständische Zulieferer streng genommen ein Nebeneffekt. „Die Novelle soll eigentlich verhindern, dass HGB-Grundsätze international nicht mehr anerkannt werden. Damit schlägt sie nun zwei Fliegen mit einer Klappe“, erläutert Jurist Lehmann. Stimmt der Bundesrat heute zu, können Unternehmen das neue Recht erstmals freiwillig mit dem Jahresabschluss 2009 nutzen.

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