Bilanzpressekonferenz
Daimlers Stern wird matt

So sehen keine Sieger aus. Die Zahlen von Daimler sind tiefrot, das Lächeln von Konzernchef Dieter Zetsche wirkt gequält. Der große Autobauer Daimler steckt in der Krise. Und die Jahrespressekonferenz sendet ein düsteres Signal aus: Die Autokrise könnte die Branche noch härter treffen als erwartet.

STUTTGART. Das Lächeln für die Fotografen wirkt etwas gequält. Der breite Walrossschnurrbart von Daimler-Boss Dieter Zetsche zittert nur kurz, als der Vorstandschef im weiten Rund der Stuttgarter Carl-Benz-Arena für die Kameras neben der neuen E-Klasse auf dem im unschuldigen weiß gehaltenen Podium der Jahrespressekonferenz des Konzerns postiert. Dann wird es schnell ernst. Bitterernst. „Im vergangenen Jahr habe ich an dieser Stelle gesagt: ‚Alle Ampeln stehen auf grün. Die Strecke schien frei“, erinnert sich der Konzernboss. „Mittlerweile ist die Strecke voller Hindernisse; die äußeren Bedingungen sind denkbar schlecht.“ Die Autoindustrie rasselt in die tiefste Krise seit Jahrzehnten. Und Zetsche und sein Konzern rund um die Nobelmarke Mercedes-Benz stecken mittendrin.

Gespannt hatte die Branche auf den Auftritt von Zetsche gewartet. Als erster der großen deutschen Autobauer legt der Mann im dunklen Anzug mit der gestreiften Krawatte die Kennziffern seines Konzerns für das abgelaufene Jahr und das vierte Quartal vor. Für viele Experten ein Menetekel auch für die Konkurrenten in den kommenden Wochen – und die Aussichten sind demnach düster: Die bisherige Ertragsperle Mercedes-Benz schrieb ebenso wie der Gesamtkonzern in den vergangenen Monaten Oktober bis Dezember wegen der steilen Talfahrt beim Pkw-Absatz operative Verluste.

Auch die Dividende schmilzt von 2 Euro auf 0,60 Cent. Der Stuttgarter Vorzeigekonzern kann sich dem Abwärtsstrudel der Branche damit nicht entziehen. Wenn aber die stolze Marke mit dem Stern schon drastisch an Glanz verliert, was mag dann erst in vielen anderen Konzernzentralen los sein?

In der Branche herrscht Alarmstimmung. Der Chef des französischen Autokonzerns Peugeot-Citroen, Christian Streiff, rechnet bereits mit dem Schlimmsten und spricht unumwunden in Anbetracht der weltweiten Wirtschaftskrise von einem „schrecklichen Jahr“. Auch Konkurrent Renault hat seine Prognosen für 2009 bereits kassiert und stellt sich auf noch schlechtere Zeiten ein. VW-Boss Martin Winterkorn erwartet, dass der Weltmarkt 2009 von 60 auf 49 Millionen Fahrzeuge sinken wird – das wäre ein Minus von 20 Prozent. Weltweit, wohlgemerkt.

Der seit Monaten lahmende europäische Automarkt hat im Januar bereits einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Verkaufszahlen sanken mit einem Minus von 26,5 Prozent auf das niedrigste Niveau, das seit zwei Jahrzehnten in einem Januar erreicht wurde. Mercedes traf es mit einem Minus von 33,3 Prozent besonders hart. Die Aussichten für das gerade begonnene Jahr sind deshalb denkbar schlecht.

Bereits jetzt arbeiten Zehntausende in den deutschen Mercedes-Werken kurz. Entwarnung ist nicht in Sicht. Zetsche kündigte weitere Sparmaßnahmen, Produktionskürzungen und eine Ausweitung der Kurzarbeit an. „Wir werden im Konzern und in den Geschäftsfeldern Blockpausen einlegen, die durch Urlaub und Gleittage abgedeckt sind“, kündigte Zetsche an. Damit geht es ans Eingemachte. „Das Instrument der flexiblen Arbeitszeitkonten haben wir weitgehend ausgeschöpft“, räumt der Konzernboss ein.

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