Industrie

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Bilanzsaison: US-Unternehmen verdienen so viel wie noch nie

Der Rohstoff-Riese Alcoa hat die Bilanzsaison in den USA eröffnet. Viele Unternehmen werden Rekordgewinne melden. Ein Grund für den überraschenden Boom: Niedrige Energiepreise verhelfen der US-Wirtschaft zu neuer Blüte.

Ein Mitarbeiter des Aluminiumherstellers Alcoa arbeitet im US-Werk in Newburgh. Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld gibt die Zahlen für das letzte Quartal bekannt. Quelle: dapd
Ein Mitarbeiter des Aluminiumherstellers Alcoa arbeitet im US-Werk in Newburgh. Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld gibt die Zahlen für das letzte Quartal bekannt. Quelle: dapd

New York/DüsseldorfAlle Augen auf Klaus Kleinfeld: Der deutsche Chef des amerikanischen Aluminium-Riesen Alcoa läutete am Dienstagabend nach Börsenschluss in New York die US-Bilanzsaison ein - traditionell gibt er damit einen Ausblick auf die Lage der Unternehmen. Die Vorzeichen stimmen optimistisch – Experten erwarten bei Alcoa das stärkste Wachstum der vergangenen drei Jahre.

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Und die Rechnung ging auf: Alcoa hat einen schwächeren Aluminiumpreis mit Kostensenkungen auffangen können und ist so in die Gewinnzone zurückgekehrt. Im vierten Quartal verbuchte das US-Unternehmen nach eigenen Angaben vom Dienstag einen Netto-Gewinn von 242 Millionen Dollar oder 21 Cent je Aktie aus dem fortgeführten Geschäft.

Quartalszahlen Alcoa kehrt in die Gewinnzone zurück

Die Zahlen des Aluminiumkonzerns Alcoa gelten als Gradmesser für die Konjunktur.

Der Umsatz fiel um 1,5 Prozent auf 5,89 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal hatte die weltweite Nummer zwei hinter dem russischen Rusal -Konzern unter dem Strich noch einen Verlust von 191 Millionen Dollar verbucht. Börsianer reagierten erfreut: Die Aktie gewann nachbörslich zwei Prozent.

Einen ersten Vorgeschmack auf den nun beginnenden Reigen der US-Unternehmenszahlen hatte vergangene Woche bereits Boeing gegeben: Der Flugzeughersteller erzielte im vergangenen Jahr die meisten Bestellungen seit 13 Jahren – und das vermutlich mit einer vier Mal höheren Profitabilität wie der europäische Konkurrent Airbus.

Dossier zum Download Die Gewinne der US-Konzerne sprudeln

Nach Analysen des Finanzdienstleisters Bloomberg und Berechnungen des Handelsblatts dürften die 500 größten US-Konzerne im Schlussquartal gegenüber dem Vorjahr die Nettogewinne um fünf Prozent erhöht haben. Die Analyse.

In der US-Wirtschaft herrscht eine gute Stimmung: Der starke Binnenmarkt mit einem Wachstum von mehr als zwei Prozent treibt die Gewinne der Unternehmen. Die lagen im vergangenen Jahr so hoch wie noch nie.

Amerikas 50 größte Industriekonzerne erzielten nach Berechnungen des Handelsblatts mit Hilfe von Finanzdatenspezialisten wie Bloomberg 2012 einen Reingewinn von 232 Milliarden Dollar. Das sind sechs Prozent mehr als im Rekordjahr 2011 – und dreimal so viel wie die 50 größten Industriekonzerne Deutschlands verdienen. Dabei sind in der Berechnung die Ölkonzerne ausgenommen. Mit ihnen kommen Amerikas Top 50 sogar auf 307 Milliarden Dollar Profit.

Angesichts guter Wachstumserwartungen in den USA und den Schwellenländern rechnen die Analysten sogar damit, dass Amerikas 500 größte Unternehmen in diesem Jahr beim Reingewinn die Marke von einer Billion Dollar knacken werden. Das wäre ein Plus von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Boomjahr 2012.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

  • Rang 10

    Taiwan

    Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

    Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

  • Rang 9

    Italien

    Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

  • Rang 8

    Spanien

    Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

  • Rang 7

    Frankreich

    Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

  • Rang 6

    Südkorea

    Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

  • Rang 5

    Deutschland

    Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

  • Rang 4

    Indien

    Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

  • Rang 3

    Japan

    Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

  • Rang 2

    China

    Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

  • Rang 1

    USA

    Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

„Die Wettbewerbsfähigkeit des US-Markts hat sich entschieden gewandelt“, sagt Joanna Shatney vom britischen Vermögensverwalter Schroders. Ein wichtiger Grund für das Gewinnplus sind die niedrigen Energiekosten. Erdgas etwa kostet in den USA derzeit drei- bis viermal weniger als in Europa und Asien. Erdöl ist für 18 Prozent weniger zu haben als im Rest der Welt.

Die Folgen: mehr Investitionen und eine Reindustrialisierung Amerikas und damit auch steigende Gewinne und Umsätze. Reihenweise eröffnen Unternehmen der verarbeitenden Industrie neue Standorte, etwa General Electric oder Caterpillar. 

  • 08.01.2013, 22:04 UhrHenry

    Womit?

    Warum werden eigentlich händeringend Facharbeiter gesucht? Weil die Unternehmer ihre Wurzeln austrocknen. Der Facharbeiter soll die tollsten Qualitäten haben, flexibel, präzise wie ein Uhrwerk, teamfähig, ohne eigenen Willen, gestählt zu McFit, intelligent wie Einstein, streßresistent wie die Schildkröte und schnell wie ein Windhund.

    Für das Geld, was der Unternehmer bietet, kriegt er eben nur den Streß eines Windhundes und die Arbeitsmoral einer Schildkröte.

    Dann muß man sich die Produkte anschauen, für die Kapital bereit steht: Feuerzeuge, Feuerzeuge, Feuerzeuge. Das ist Plunder. Und die geplante Obsoleszenz in der Digitaltechnik verkürzt das Leben des Geräts exponentiell schon zur Eintagsfliege. Smartphones und iPads sind der letzte Rülpser des Monsters, inkompatibel bis ins Detail, und ausgestattet mit ätherischem Schrott. Das braucht wirklich niemand. Und dazu werden die Preise künstlich angehoben von Brüssel, wohl in der lauen Aussicht, Inflation anzuregen. Aber sie wird nur simuliert. Trockenheit. Wüste. Die Pyramide ist fertig, steht leider nur auf dem Kopf.

    Wenn die zusammenbricht, ist die Wirtschaft im Arsch und wir haben Geld wie Heu. ;)

  • 08.01.2013, 22:24 UhrOtto

    Dauert ohnehin nicht mehr lange und es kommt zum großen Knall.

    So wie bisher geht es nicht immer weiter - kann es gar nicht weiter gehen.

    Die Realität ist schon so schlimm, dass die Mehrheit nur durch Lügen im Zaum gehalten wird.

    Es scheint wieder an der Zeit zu sein, dass die Menschheit erneut ordentlich eins auf den Deckel bekommt. Dann funktioniert sie wieder für ein paar Jahre (oder Jahrzehnte).

    Die Wut und der angestaute Hass müssen sich endlich entladen.

  • 08.01.2013, 22:29 Uhrmaximilian@baehring.at

    Und überhaupt. Schluß mit der EU. Indien muß wieder brtisch werden.

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