Bilanzskandal
Enron-Chef drohen 185 Jahre Gefängnis

In einem der bedeutendsten Wirtschaftsprozesse der US-Geschichte wird am Montag das vorerst letzte Kapitel aufgeschlagen: Fünf Monate nach dem Schuldspruch gegen die ehemaligen Enron-Chefs Jeffrey Skilling und Kenneth Lay legt das Gericht in Houston das Strafmaß fest.

HB HOUSTON. Wegen der spektakulären Pleite des texanischen Energie-Konzerns muss sich allerdings nur noch Skilling vor der Justiz verantworten. Der 64-jährige Lay starb im Juli überraschend an Herzversagen. Sein Schuldspruch wurde vor einigen Tagen posthum aufgehoben. Skilling muss sich dagegen darauf gefasst machen, den Rest seines Lebens hinter Gittern zu verbringen: Nach dem Schuldspruch der Jury Ende Mai wegen Verschwörung, Betrugs und Insider-Handels in 19 Anklagepunkten kann Richter Simeon Lake den 52-jährigen Ex-Manager bis zu 185 Jahre ins Gefängnis schicken.

Skilling hat bereits angekündigt, bis zum Ende seines Lebens gegen das Urteil ankämpfen zu wollen. Die einst von der Börse gefeierte Enron Corporation war im Dezember 2001 unter einem milliardenschweren Schuldenberg zusammengebrochen. Wegen des Bilanzbetruges verloren mehr als 4000 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze; Milliarden von Dollar in den Pensionskassen der Mitarbeiter gingen verloren. Anleger mussten mit ansehen, wie ihre Enron-Aktien von einstmals fast 90 Dollar bis auf wenige Cent abstürzten.

Die Enron-Pleite und weitere Firmenskandale führten schließlich zu dem Sarbanes-Oxley-Gesetz, das strengere Bilanzierungsregeln und härtere Kontrollen für börsennotierte US-Unternehmen brachte. Wegen der massiven Auswirkungen auf Angestellte und Anleger war der Fall Enron auch über die Grenzen der USA hinaus zum Inbegriff von Wirtschaftskriminalität und unternehmerischer Arroganz geworden. Er erregte aber auch deshalb großes Aufsehen, weil Lay als Förderer der Republikanischen Partei ein enger Freund von US-Präsident George W. Bush und dessen Familie in Texas war. Bush pflegte Lay mit dem Spitznamen „Kenny-Boy“ zu rufen.

Vor einem Monat war bereits der frühere Enron-Finanzchef Andrew Fastow wegen Betrugs zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die relativ milde Strafe für den Erfinder der kriminellen Bilanztricks begründete das Gericht mit Fastows Zusammenarbeit mit den Ermittlern und seiner sichtlichen Reue auch gegenüber Geschädigten. Fastow hatte mit den Staatsanwälten ursprünglich eine Haftstrafe von zehn Jahren ausgehandelt und im Gegenzug ein umfassendes Geständnis abgelegt. Im Hauptprozess gegen Skilling und Lay trat er daraufhin als Kronzeuge der Anklage auf und belastete seine früheren Vorgesetzten schwer.

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