Bill Ford tritt zurück
Boeing-Sanierer soll's bei Ford richten

Der zweitgrößte US-Autobauer sucht den Weg aus der Krise und holt sich dazu als neuen Vorstandsvorsitzenden den Boeing-Manager Alan Mulally. Ihm eilt der Ruf des erfolgreichen Sanierers voraus. Bill Ford, der bisherige Ford-Chef und Urenkel des Firmengründers, machte gestern überraschend seinen Platz für den neuen Hoffnungsträger frei.

HB DEARBORN. Der Urenkel des Firmengründers Henry Ford, Bill Ford, ist nach fünf Jahren an der Spitze des rote Zahlen schreibenden Unternehmens zurückgetreten. Neuer Vorstandschef wird Alan Mulally, der sich als Sanierer der Boeing-Passagierflugsparte einen Namen gemacht hat. Die in Dearborn veröffentlichte Erklärung kam auch für Branchenkenner überraschend.

Bill Ford, der Verwaltungsratvorsitzender bleibt, hatte in zwei Anläufen versucht, den zweitgrößten US-Autohersteller wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. In der ersten Umstrukturierung wurden fünf Werke geschlossen und 35 000 Stellen gestrichen. Die Krise im nordamerikanischen Geschäft wurde damit aber nicht überwunden. Der zweite Plan wird seit sieben Monaten umgesetzt und sieht 14 Werkschließungen und den Abbau von weiteren 30 000 Arbeitsplätzen bis 2012 vor.

Allein im ersten Halbjahr 2006 hatte der Autokonzern einen Verlust von mehr als 1 Milliarde Euro eingefahren. Ford leidet wie auch der größere Konkurrent General Motors unter sinkenden Absatzzahlen und starkem Wettbewerb durch asiatische Autokonzerne auf dem Heimatmarkt. Die US-Hersteller hatten jahrelang vor allem auf sportliche Geländewagen (SUV) und Pickups gesetzt, die als Spritfresser bekannt sind. Seitdem die Benzinpreise auch in den USA drastisch gestiegen sind, finden diese Autos immer weniger Käufer.

Mulally, dem das Wiedererstarken Boeings im knallharten Wettbewerb mit dem europäischen Flugzeugbauer Airbus zugeschrieben wird, muss daher nach Einschätzung vor Beobachtern vor allem die Modellpolitik bei dem zweitgrößten US-Hersteller umkrempeln. Bill Ford, der seit Oktober 2001 an der Spitze des Autokonzerns stand, lobte den 61-Jährigen Manager als erfahrenen Sanierer, der genau richtig für den Job sei. Er habe seit Juli mit ihm verhandelt, erklärte Ford. Er und die Familie Ford halten nach wie 40 Prozent der Stimmrechte an dem Unternehmen. Ein Wechsel an der Konzernspitze bedarf daher ihrer Zustimmung.

Mulally erklärte, er sei zwar kein „Auto“-Mann, aber sicher ein Produktentwickler. Der Ingenieur war seit 1969 bei Boeing und seit 1998 Chef von Boeing Commercial Airplanes. Er konnte zwar nicht verhindern, das Airbus an Boeing vorbeizog. Insbesondere die Entwicklung des Jets 787 brachte Boeing aber in den letzten Jahren wieder eine Flut von Aufträgen. 2005 setzte die Passagierflugsparte unter Mulally fast 23 Mrd. Dollar (18 Mrd. Euro) um.

Mulally galt im vergangenen Jahr als Favorit für den Posten des Boeing-Vorstandsvorsitzenden. Das Unternehmen setzte aber auf eine externe Lösung und holte 3M-Chef Jim McNerney. Nerney ernannte umgehend den 60-jährigen bisherigen Vizepräsidenten im Verkauf, Scott Carson, zu Mulallys Nachfolger.

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