Billiganbieter bedrängen die Premium-Marken
Miele und Rowenta bauen Stellen ab

Mit Miele und Rowenta reagieren zwei traditionsreiche Elektro-Hausgerätehersteller auf den immer härteren internationalen Wettbewerb mit Arbeitsplatzabbau in Deutschland. Während Miele mit 1100 Arbeitsplätzen fast jede zehnte Stelle hier zu Lande streicht, halbiert Rowenta nahezu die Belegschaft im Werk Erbach mit derzeit noch 575 Arbeitsplätzen.

mjh DÜSSELDORF. Die Markenhersteller für "weiße Ware" reagieren auf wachsenden Preisdruck in der Hausgerätebranche. "Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden", sagte Miele-Geschäftsführer Eduard Sailer. Rowenta plant dies ebenfalls.

Wie die gesamte Branche leiden Miele und Rowenta unter der Konsumflaute in Deutschland und dem Kostendruck aus dem Ausland. Die deutschen Haushalte sind mit Waschmaschinen, Kühlschränken und Herden gesättigt. Ersatz wird nur beschafft, wenn die alten Geräte ihren Geist aufgeben. Außerdem fallen die Preise. Große Elektrohausgeräte werden im Schnitt pro Jahr um fünf bis zehn Prozent billiger, schätzt der Bundesverband Technik des Einzelhandels. Discounter bieten Waschmaschinen aus Asien zu Preisen unter 200 Euro feil.

Die "Geiz-ist-geil"-Mentalität der Verbraucher zeigt auch beim Premiumhersteller Miele Wirkung: Der Abstand zur preisgünstigeren Konkurrenz wird immer größer und der Marktanteil in Deutschland fällt: Auf unter zehn Prozent im Jahr 2003. Damit belegt Miele hinter Bosch-Siemens und Electrolux (Marke: AEG) den dritten Rang. Doch im Gegensatz zu den Konkurrenten, die Werke in Deutschland schließen und die Produktion ins kostengünstigere Osteuropa verlagern, baut Miele auch künftig auf weiße Ware "Made in Germany".

Hausgeräte von Miele heimsen zwar in Testberichten häufig Bestnoten ein, und auch das Image der Produkte ist hervorragend. Trotzdem scheint der Kurs mit Blick auf die Gewinnmargen riskant - auch wenn das Familienunternehmen zur Höhe seiner Ergebnisse beharrlich schweigt. Der Zeitpunkt für einen Kostenschnitt aber scheint günstig. Immerhin konnte Miele den Umsatzschwund im Inland stoppen. Nach einem Umsatzminus von 10,9 Prozent im Jahr 2002 und einem weiteren von neun Prozent 2003, zog das Geschäft 2004 wieder leicht an: Der Inlandsumsatz wuchs um zwei Prozent und damit fast genauso stark wie der Gesamtumsatz, der um 2,5 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro anstieg. 70 Prozent des Geschäfts entfallen auf das Ausland.

Der Personalabbau sei mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbart, teilte Miele weiter mit. In Betriebsratskreisen heißt es, alle sechs Standorte seien betroffen. Euskirchen, wo Miele Motoren fertigt, und die Herdeproduktion in Oelde hätten allerdings die Hauptlast des Personalabbaus zu tragen. Miele will im Gegenzug den Fremdbezug erhöhen.

"Wir wollen Wachstum und Beschäftigung in Deutschland sichern, deshalb handeln wir jetzt, um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zu stärken", sagte Sailer. Miele werde zur Erreichung dieser Ziele sein Tempo der letzten fünf Jahre beibehalten und auch dieses Jahr 135 Mill. Euro investieren. "Miele ist ein kerngesundes Familienunternehmen, es finanziert sich zu 100 Prozent selbst", sagte Co-Geschäftsführer Horst Schübel.

Auch die Art und Weise , wie der Arbeitsplatzabbau bewerkstelligt werden soll, ist aus Sicht der IG-Metall bemerkenswert. Ab März bis Juni 2006 soll die Belegschaft im Inland pro Woche eine Stunde weniger arbeiten - und entsprechend weniger verdienen. Zudem sollen Altersteilzeit und andere Instrumente genutzt werden. Anfang 2007 soll Bilanz darüber gezogen werden.

Mit Rowenta kündigte ein weiterer Markenhersteller einen Personalabbau in Deutschland an. Von 575 Mitarbeitern im Werk Erbach will das zur französischen SEB-Group (Moulinex, Tefal, Krups) gehörende Unternehmen 215 abbauen. Die Montage von Billig-Bügeleisen übernimmt künftig ein chinesisches Unternehmen.

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