Billiganbieter
Stromkonzerne zweifeln an Flexstrom

Die Insolvenz des Discount-Stromanbieters Teldafax hat das Vertrauen der Verbraucher erschüttert. Und jetzt gibt es neue Warnzeichen: Gibt es Finanzprobleme bei einem weiteren großen Anbieter?
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DüsseldorfEin Jahr nach der Pleite von Teldafax steht der deutsche Strommarkt nach Recherchen des Handelsblatts vor einer erneuten Belastungsprobe. Flexstrom, mit 570.000 Kunden derzeit größter unabhängiger Anbieter, befindet sich bei allen vier großen Stromkonzernen nach häufigem Zahlungsverzug unter Beobachtung.

Einer der vier Übertragungsnetzbetreiber, die den überregionalen Stromtransport organisieren, nannte dem Handelsblatt „diverse Unregelmäßigkeiten“, ein zweiter „Auffälligkeiten“ im Zahlungsverkehr.

Viele Marktteilnehmer wurden schon 2011 schwer getroffen, als der Flexstrom-Konkurrent Teldafax überschuldet zusammenbrach. Zurück blieb ein Schaden von mehreren Hundert Millionen Euro. Geschäftspartner saßen auf offenen Rechnungen, geprellte Kunden mussten den Stromanbieter wechseln und dort erneut bezahlen. Der Anbieter aus Troisdorf hatte mit sensationellen Billigangeboten gelockt. Zu billig, wie sich später herausstellte. Teldafax verkaufte den Strom unter Einkaufspreisen.

Flexstrom weist jede Parallele zu Teldafax zurück und beharrt darauf, profitabel zu arbeiten. Das Wachstum hat sich allerdings stark verlangsamt. Konnte Flexstrom 2011 noch 160.000 Kunden hinzugewinnen, waren es 2012 bisher nur rund 10.000.

Flexstrom-Sprecher Dirk Hempel sagte zur Preispolitik, Flexstrom könne den Strom deshalb so günstig anbieten, weil „wir direkt in den Kunden über Preisnachlässe oder Boni investieren“. Die Branche hegt trotzdem Zweifel. Flexstrom bietet Neukunden den Strom schon ab 11 Cent pro Kilowattstunde an – sofern sie per Vorkasse zahlen.

Gero Lücking, Vorstandsmitglied des Flexstrom-Konkurrenten Lichtblick AG sagte dazu dem Handelsblatt: „Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass hier mit Dumpingangeboten offenbar schnell Geld eingesammelt werden soll. Solche unseriösen Geschäftspraktiken sind gefährlich. Wenn es erneut eine große Insolvenz geben sollte, könnte der Anbieterwechsel an sich in Verruf geraten. Das würde dem ganzen Markt schaden.“

Derzeit bemüht sich Flexstrom auch bei Nichtkunden um frisches Kapital. Das Unternehmen will mit einer fünfjährigen Anleihe 35 Millionen Euro einsammeln.

 

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Billiganbieter: Stromkonzerne zweifeln an Flexstrom"

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  • Habe vor über 3 Jahren den Stromanbieter (Flexstrom) gewechselt, weil es sich offensichtlich um eine große Fehlentscheidung handelte. Danach verfaßte ich einen Erfahrungsbericht, der diverse Ungereimtheiten enthielt, um andere vor diesem Unternehmen zu warnen. Dieser Bericht wurde nach über 3 Jahren - Sie haben richtig gelesen: DREI - von Flexstrom beanstandet. Was soll man von so einem Unternehmen halten, das offensichtlich glaubt, damit Kunden oder ehemalige Kunden einschüchtern zu können.

  • Sofort Mahnbescheid. Alles andere ist Zeitverschwendung.

  • Nun, wer die AGB von Flexstrom genau liest, der findet da sowohl die Angabe, daß da wenn man nicht widerspricht, der Aufschlag für die Preisgarantie kassiert wird, als auch, daß Kundenboni erst im zweiten Vertragsjahr bezahlt werden,- doch da ist man ja nur, wenn man nicht rechtzeitig kündigte. Und das zweite Jahr ist dann teuer. Wenn wir draußen den Kunden einen fairen Tarif empfehlen,- sie vor Vorkassetarifen, etc. warnen, und die dann trotzdem noch bei Flexstrom o.ä. den so billig scheinenden Vorkassetarif mit dem Argument "Wird schon gutgehen,- ich will jetzt den billigeren Strompreis, basta!" buchen,- dann sind die selbst dafür verantwortlich. Und wenn sie dann unterm Strich draufzahlen,- können wir nur sagen: "Tut uns leid, wir hatten Sie gewarnt!".

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