Billigimporte bedrohen Arbeitsplätze
Südafrika kämpft um seine Textilindustrie

Südafrikas Textilwirtschaft gerät durch die zunehmenden Importe aus China unter Druck – besonders, seit ein Abkommen für Textilwaren und Bekleidung aus dem Jahr 1974 abgelaufen ist.

KAPSTADT. Mit der Vereinbarung schützten die Industrienationen ihre Textilhersteller per Quote vor Billigimporten aus Entwicklungsländern. Chinas Bereitschaft, in Kürze ein bilaterales Abkommen mit Südafrika über die Begrenzung seiner Textilexporte ans Kap auszuhandeln, gibt der Branche noch wenig Hoffnung.

Südafrikas Regierung arbeitet daher an einem radikalen Plan, der eine Finanzspritze von rund sieben Mrd. Rand (800 Mill. Euro) für die Textilbranche vorsieht. Davon sollen rund vier Mrd. Rand für die Modernisierung von Fabriken verwendet werden. Etwa 1,5 Mrd. Rand sind für Fortbildungen veranschlagt, weitere 500 Mill. Rand zur Design- und Produktinnovation. Die Regierung will so zwischen 230 000 und 280 000 Jobs sichern oder neu schaffen. Seit 2003 sind in der Textilbranche mehr als 60 000 Stellen verloren gegangen. Gegenwärtig liegt Südafrikas Arbeitslosenquote bei etwa 26 Prozent.

Aaron Searll, Chef des börsennotierten südafrikanischen Textilherstellers Seardel, fordert angesichts der Importschwemme seit längerem Importquoten für chinesische Textilien. „Wir können unter den gegenwärtigen Umständen unmöglich konkurrieren“, klagt der Kapstädter Geschäftsmann. „Unsere Lohnkosten sind fünfmal höher als in China.“ Ob die geforderten Schutzmaßnahmen die Industrie tatsächlich retten, ist nach den Erfahrungen der Vergangenheit keineswegs sicher.

Die Probleme der Textilbranche am Kap gehen weit zurück und haben ihre Wurzeln in der jahrzehntelangen Isolation des Landes unter der Apartheid. In den frühen Sechzigerjahren hatte die weiße Minderheitsregierung am Kap damit begonnen, hohe Handelsschranken zum Schutz der eigenen Industrie zu errichten: Billigimporte durften nicht ins Land, gleichzeitig konnten die Produkte der heimischen Industrie nicht exportiert werden. Viele Firmen machten es sich bequem: Die Produktivität sank. Mit der Marktöffnung geriet die Textilbranche in eine schwierige Lage. Der von fünf großen Ketten beherrschte Einzelhandel kann nun Billigimporte ins Land holen. Gleichzeitig musste die Textilindustrie die rückläufige Nachfrage im Heimatmarkt durch den Aufbau eines eigenen Exportgeschäfts kompensieren.

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