Billigstromanbieter
Teldafax-Vorstand sucht den Ausstieg

Der schwer angeschlagene Stromanbieter Teldafax sucht seit fast zwei Jahren einen erfolglos Käufer – RWE und Vattenfall haben das Angebot ausgeschlagen. Einer der Gründe: Die Wirtschaftsprüfer verweigern die Testate für die Jahresabschlüsse 2008 und 2009. Jetzt soll ein Russe einsteigen.
  • 0

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Billigstromanbieter Teldafax, dem laut Eigendarstellung eine exzellente Zukunft bevorsteht, hat nach Informationen des Handelsblatts in den vergangenen Jahren in allen Richtungen nach einem Käufer gesucht. Dabei wurde Deutschlands größter unabhängiger Energieanbieter offenbar auch Unternehmen angeboten, denen er eigentlich Konkurrenz machen wollte: den großen Energiekonzernen.

Manager von RWE wie auch von Vattenfall berichteten gestern, die Konzerne seien in der Vergangenheit bezüglich einer Übernahme von Teldafax? Energiesparte angesprochen worden. Zu konkreten Verhandlungen sei es jedoch, auf Grund des mangelnden Kaufinteresses, nicht gekommen. Bis Redaktionsschluss war von Teldafax keine Stellungnahme zu erhalten.

Jetzt will die Firma sich erneut verkaufen. Das Unternehmen selbst nennt zwar keinen Namen. Laut Branchenkreisen soll es sich aber um Energo-Stream handeln, eine Investmentfirma aus Moskau, die Anteile an mittlerweile zwölf regionalen Stromversorgern in russischen Provinzen hält. Das Unternehmen gilt damit als drittgrößter Energieverteiler des Landes. In einigen zentralrussischen Provinzstädten wie Iwanowo, Twer, Belgorod und Smolensk sind die Tochterfirmen von Energo-Stream Marktführer.

Völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit stieg die Holding in den letzten Jahren ins russische Stromgeschäft ein. Die Investoren sitzen versteckt in einem kleinen Büro in Moskau. Eine Homepage betreibt Energo-Stream nicht.

Der Generaldirektor heißt Jurij Scheljabowskij, er ist etwa Mitte dreißig, trägt sein blondes Haar zum Seitenscheitel gekämmt. Die breite Öffentlichkeit kennt ihn erst, seit ihn der Gouverneur der südrussischen Stadt Brjansk mal in eine Pressekonferenz zerrte. Vor laufenden Kameras nötigte ihm der Gouverneur, in dessen Region Energo-Stream auch einen Fußballklub gekauft hat, ein Versprechen zu Infrastrukturinvestitionen ab.

Wer aber wirklich hinter dem Teldafax-Interessenten steckt, liegt bislang völlig im Dunkeln. Der mögliche Investor erfüllt das Klischee der geheimnisvollen und intransparenten Firma.

Auch bei Teldafax liegt einiges im Argen. Die Bilanzen des Billigstromanbieters aus Troisdorf sind unvollständig, das Unternehmen diskutiert deshalb seit mehr als einem Jahr mit seinen Wirtschaftsprüfern, ob und wie es für die Firma weiter geht. Das bestätigten Vorstände und Manager am Dienstag dem Handelsblatt.

Zudem räumten die Teldafax-Verantwortlichen in dem Gespräch in den Räumen des Handelsblattes ein, dass das Unternehmen seit eineinhalb Jahren überschuldet sei - was sie jedoch gestern Abend in einer Mitteilung bestritten. "Wir weisen entschieden die heute im Handelsblatt erhobenen Vermutungen einer drohenden Überschuldung unseres Unternehmens als unwahr und falsch zurück."

Seite 1:

Teldafax-Vorstand sucht den Ausstieg

Seite 2:

Kommentare zu " Billigstromanbieter: Teldafax-Vorstand sucht den Ausstieg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%