_

Billigstromanbieter: Teldafax-Vorstand sucht den Ausstieg

Der schwer angeschlagene Stromanbieter Teldafax sucht seit fast zwei Jahren einen erfolglos Käufer – RWE und Vattenfall haben das Angebot ausgeschlagen. Einer der Gründe: Die Wirtschaftsprüfer verweigern die Testate für die Jahresabschlüsse 2008 und 2009. Jetzt soll ein Russe einsteigen.

Teldafax-Zentrale in Troisdorf: Wer wikrlich hinter dem derzeitigen Kaufinteressenten steht, ist unklar. Quelle: Christoph Papsch für Handelsblatt
Teldafax-Zentrale in Troisdorf: Wer wikrlich hinter dem derzeitigen Kaufinteressenten steht, ist unklar. Quelle: Christoph Papsch für Handelsblatt

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Billigstromanbieter Teldafax, dem laut Eigendarstellung eine exzellente Zukunft bevorsteht, hat nach Informationen des Handelsblatts in den vergangenen Jahren in allen Richtungen nach einem Käufer gesucht. Dabei wurde Deutschlands größter unabhängiger Energieanbieter offenbar auch Unternehmen angeboten, denen er eigentlich Konkurrenz machen wollte: den großen Energiekonzernen.

Anzeige

Manager von RWE wie auch von Vattenfall berichteten gestern, die Konzerne seien in der Vergangenheit bezüglich einer Übernahme von Teldafax? Energiesparte angesprochen worden. Zu konkreten Verhandlungen sei es jedoch, auf Grund des mangelnden Kaufinteresses, nicht gekommen. Bis Redaktionsschluss war von Teldafax keine Stellungnahme zu erhalten.

Jetzt will die Firma sich erneut verkaufen. Das Unternehmen selbst nennt zwar keinen Namen. Laut Branchenkreisen soll es sich aber um Energo-Stream handeln, eine Investmentfirma aus Moskau, die Anteile an mittlerweile zwölf regionalen Stromversorgern in russischen Provinzen hält. Das Unternehmen gilt damit als drittgrößter Energieverteiler des Landes. In einigen zentralrussischen Provinzstädten wie Iwanowo, Twer, Belgorod und Smolensk sind die Tochterfirmen von Energo-Stream Marktführer.

Völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit stieg die Holding in den letzten Jahren ins russische Stromgeschäft ein. Die Investoren sitzen versteckt in einem kleinen Büro in Moskau. Eine Homepage betreibt Energo-Stream nicht.

Der Generaldirektor heißt Jurij Scheljabowskij, er ist etwa Mitte dreißig, trägt sein blondes Haar zum Seitenscheitel gekämmt. Die breite Öffentlichkeit kennt ihn erst, seit ihn der Gouverneur der südrussischen Stadt Brjansk mal in eine Pressekonferenz zerrte. Vor laufenden Kameras nötigte ihm der Gouverneur, in dessen Region Energo-Stream auch einen Fußballklub gekauft hat, ein Versprechen zu Infrastrukturinvestitionen ab.

Wer aber wirklich hinter dem Teldafax-Interessenten steckt, liegt bislang völlig im Dunkeln. Der mögliche Investor erfüllt das Klischee der geheimnisvollen und intransparenten Firma.

Auch bei Teldafax liegt einiges im Argen. Die Bilanzen des Billigstromanbieters aus Troisdorf sind unvollständig, das Unternehmen diskutiert deshalb seit mehr als einem Jahr mit seinen Wirtschaftsprüfern, ob und wie es für die Firma weiter geht. Das bestätigten Vorstände und Manager am Dienstag dem Handelsblatt.

Zudem räumten die Teldafax-Verantwortlichen in dem Gespräch in den Räumen des Handelsblattes ein, dass das Unternehmen seit eineinhalb Jahren überschuldet sei - was sie jedoch gestern Abend in einer Mitteilung bestritten. "Wir weisen entschieden die heute im Handelsblatt erhobenen Vermutungen einer drohenden Überschuldung unseres Unternehmens als unwahr und falsch zurück."

  • Die aktuellen Top-Themen
Intercontinental Hotels Group: „Wir wollen in Deutschland die Nummer eins werden“

„Wir wollen in Deutschland die Nummer eins werden“

Intercontinental Hotels Group will in Deutschland expandieren und die Branchenspitze erklimmen. Erstmals gibt der Weltmarktführer Einzelheiten des geplanten Projekts bekannt.

Frauen gefragt: Dax-Aufsichtsräte werden weiblicher

Dax-Aufsichtsräte werden weiblicher

Der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten der DAX-Konzerne ist gestiegen. In ein paar Jahren könnten sie bereits knapp ein Drittel ausmachen. Das ist allerdings nicht der einzige Trend, der in den Gremien auffällt.

Die teuerste Werbefläche: Das Trikot-Sponsoring als Millionengeschäft

Das Trikot-Sponsoring als Millionengeschäft

Der Werbeplatz auf dem Bundesliga-Trikot ist beliebt - und kostspielig. Und die Preise dürften weiter steigen. Derzeit ist bei Werder Bremen wieder ein Fleckchen zu haben. Interessenten gibt es genug.

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläen – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.