Bio-Branche
Wenn Unternehmen ihre grün-alternative Seele verkaufen

Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Seitdem sich mit dem grünen Gewissen der Verbraucher Milliarden verdienen lassen, wollen immer mehr Anbieter ein Stück vom Ökokuchen haben. Der Streit in der Branche ist groß – besonders geschadet haben die Querelen um die zweitgrößte deutsche Biosupermarktkette Basic.

DÜSSELDORF. Gut 3 000 Unternehmen in Deutschland verwenden mittlerweile das Biosiegel, das die Einhaltung von der EU festgelegter Mindeststandards gewährleistet. Mehr als 50 000 Produkte tragen das sechseckige Logo, gut 25 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Das sind Massen, die sich mit kleinteiligen Öko-Strukturen nicht mehr bewältigen lassen. Längst arbeitet die Branche genauso wie der konventionelle Handel. „Verbraucher haben Echtheitszweifel bei Bio und Probleme, diese eindeutig zu identifizieren“, warnte Markus Rippin von der Unternehmensberatung Agromilagro auf einem Fachkongress.

Besonders geschadet haben der Branche die Querelen um die zweitgrößte deutsche Biosupermarktkette Basic. Die Münchener wollten sich von der Lidl-Mutter Schwarz-Gruppe ihre Expansion finanzieren lassen – ausgerechnet von Lidl, steht der Discounter doch für alles, was überzeugten Ökos zuwider ist. Erst nach massiven internen Querelen und Verbraucherboykotten zog sich Schwarz wieder aus der Ökokette zurück. Von dem Streit hat sich Basic nie erholt. Anstatt, wie geplant, dieses Jahr bis zu zwölf neue Filialen zu eröffnen, muss das Unternehmen erstmals über Personalabbau nachdenken.

Der Zoff in München ist nicht der einzige Streit in der Branche. Als Marktführer Alnatura im August mit Blick auf die knausernden Verbraucher für 120 Produkte die Preise um bis zu zehn Prozent senkte, war das Geschrei der Wettbewerber groß. Die Branche, klagt die Konkurrenz, dürfe sich nicht auf die gleichen ruinösen Preiskämpfe einlassen wie der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel.

Dabei sind die Ökos längst Teil des ganz normalen deutschen Lebensmittelhandels. Mehr als die Hälfte der in Deutschland verkauften Bioprodukte gehen bei Aldi, Lidl oder Rewe über die Theke. So beziehen die Biohändler, weil in Deutschland Ökoware nicht in Discounter-Mengen angebaut wird, mehr als 60 Prozent des Obsts und mehr als 40 Prozent des Gemüses im Ausland.

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