Bio-Quote abschaffen: Mineralölwirtschaft will sich vor E10-Strafen drücken

Bio-Quote abschaffen
Mineralölwirtschaft will sich vor E10-Strafen drücken

Der Biosprit E10 sorgt für neuen Streit: Ungeachtet der schweren Vorwürfe gegen sie selbst fordert die Mineralölwirtschaft nun, dass die Strafzahlung bei Nichterfüllung der Bio-Quote abgeschafft werden soll.
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Berlin Der Mineralölwirtschaftsverband hat angesichts der Probleme bei dem neuen Bio-Sprit E10 eine Abschaffung der Strafzahlung bei Nichterfüllung der Bio-Quote gefordert. Niemand dürfe dafür bestraft werden, dass Autos kein E10 vertrügen und deshalb die Bio-Quote einfach nicht erfüllt werden könne, sagte Verbands-Chef Klaus Picard der "Bild"-Zeitung. "Die Strafzahlung muss abgeschafft werden."

E10 hat einen Anteil von bis zu zehn Prozent Bioethanol, den unter anderem Firmen wie Cropenergies oder Verbio

produzieren. Die Mineralölwirtschaftsbranche ist verpflichtet, ab diesem Jahr eine Quote von 6,25 Prozent an Biosprit mit dem herkömmlichen Treibstoff zu verkaufen. Andernfalls drohen Strafzahlungen. Diese würden nach Angaben der Branche wiederum dann das herkömmliche Super-Benzin um rund zwei Cent pro Liter verteuern.

Die Motoren von knapp zehn Prozent der Autos auf deutschen Straßen verträgt die Sorte E10 allerdings nicht. Offenbar sind aber sehr viele Autofahrer bei E10 noch verunsichert. Deshalb wird die Sorte kaum gezapft. Die E10-Lager quellen über, während der übrige Super-Kraftstoff knapp wird.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat die Automobil-, Biokraftstoff- und Mineralölwirtschaft sowie Bauern-, Umwelt- und Verbraucherverbände und mehrere Minister für Dienstag zu einem "Benzin-Gipfel" geladen, um das Problem zu besprechen.

Die Regierung setzt derweil auf die Einsicht der Verbraucher. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) verteidigte in der "Bild am Sonntag" den Biosprit und betonte: "Die Politik verpflichtet die Industrie lediglich zur Einhaltung einer bestimmten Biokraftstoffquote, die zwar gestiegen, aber nicht neu ist". Die Einführung von E10 diene auch dazu, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Die Grünen fordern hingegen ein vorläufiges Aus.

Autofahrer, deren Fahrzeug nicht für E10 geeignet ist, könnten möglicherweise vom Kraftfahrzeugbundesamt informiert werden. Das sei eine Möglichkeit, über die auf dem "Benzin-Gpfel" geredet werden müsse, sagte Bundeswirtschaftminister Rainer Brüderle. Die Schuld für das Chaos um E10 sieht er bei der Industrie. Zunächst einmal sei es Aufgabe der Mineralölwirtschaft, die Kunden zu informieren. "Die Verbraucher müssen überzeugt sein, dass das für ihr Fahrzeug der richtige Treibstoff ist, sonst werden sie es nicht kaufen", sagte Brüderle. In der schwarz-gelben Koalition wächst der Unmut über Röttgens Krisenmanagement - so geht der "Benzin-Gipfel" auf die Initiative von Brüderle zurück, der für E10 gar nicht zuständig ist.

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  • Witzig es war schon Jahre bekant das dieser Sprit nicht gut für die Motoren und eine Monokultur verursacht .Aber anstat ehrlich zu der Bevökerung zu sein , Machen alle durch die Bank (Grüne,SPD,CDU/CSU,FDP undsw) Autohersteller und Ölloby Politik und wer leidet am ende die Verbraucher wie immer. Keine Verantwortung für Reformen übernehmen sondern schön auf den Verbraucher abwälzen. Das nent man wieder einmal einen Kniefall vor den Lobyisten gemacht.

    Beim Bundesministerium für Umwelt,Naturschutz und Reaktorsicherheit und Bundesregierung.de stehen sehr Interesante Alte presseberichte und Beschlüsse zu E10. Da werden einem ganz schön die Augen geöfnet zu damaligen Beschlüssen undsw.

  • Das Schwachbenzin ist das Benzin der Kanzlerin und ihres Gehilfen Röttgen. Wir brauchen beides nicht. Weder das Schwachbenzin noch diese Kanzlerin.

  • In Kanada haben Sie a)mehr Land,um nachwachsende Rohstoffe für Biosprit ohne Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen anzubauen, und b)vergleichsweise weniger Kfz./km2.
    Sie sehen,wie relativ das ist!

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