Biokraftstoff E10: „Das sind alles Pfuscher, Murkser und Dilettanten“

Biokraftstoff E10
„Das sind alles Pfuscher, Murkser und Dilettanten“

Das Thema E10 erregt die Gemüter. Nach dem Verkaufsstopp des Biosprits schieben sich die Beteiligten den Schwarzen Peter gegenseitig zu. Die Kritik von Experten trifft indes vor allem die Mineralölkonzerne und den ADAC.
  • 37

„Das sind alles Pfuscher, Murkser und Dilettanten“, wettert Ernst Prost. Der Geschäftsführer des Motorenölherstellers Liqui Moly kann das Chaos um die Einführung des Biosprits E10 nicht verstehen. Am Donnerstag hat die Benzinbranche die Einführung des Biobenzins E10 gestoppt. Autofahrer hatten befürchtet, dass der neue Treibstoff ihre Motoren schädigt und zapften kaum etwas.

Während sich Politik, Ölkonzerne, Tankstellen und Verbände die Schuld gegenseitig in die Schuhe schieben, steht für Ernst Prost der Schuldige fest. „Das ist eine riesige Kommunikationspanne der Mineralölkonzerne“ sagt er. “Wie kann man denn ein Produkt einführen ohne vorher darüber zu informieren?“ Man könne doch auch kein neues Medikament einführen ohne einen Beipackzettel mitzuliefern. Er haut damit in die gleiche Kerbe wie Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), der kritisiert hatte, dass die Branche an Tankstellen nicht ausreichend für den neuen Biosprit geworben habe.

Ferdinand Dudenhöffer sieht die Schuld indes ganz klar beim ADAC. „Die Verbraucher sind hochgradig verunsichert und das ist zu 90 Prozent die Schuld des ADAC“, erklärt der Professor für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. „Der ADAC hat nur Stimmung gemacht, er hätte auch informieren können, anstatt gegen die E10-Einführung zu wettern.“ Der größte Automobilclub Europas mache gegen den Biosprit mobil und missbrauche das Thema, um Mitglieder zu gewinnen. Die Tankstellen hingegen seien die Unschuldigsten und die Mineralölkonzerne wüssten schließlich nicht, welches Auto den Biosprit auch vertrage.

Denn knapp 10 Prozent der Autos kommen mit dem neuen Biosprit nicht klar, der zu 10 Prozent aus Bio-Ethanol besteht. Gerade bei dem knappen Drittel an Autobesitzern, deren Autos von Importeuren stammen, ist die Unsicherheit groß. „Die ausländischen Autohersteller sagen lieber, sie wüssten nicht genau, ob ihre Autos für E10 geeignet seien“, sagt Dudenhöffer. Für den Professor ist daher klar: „Der ADAC muss aufhören, Angst zu schüren und zusammen mit den Autoherstellern informieren.“ Der ADAC dagegen sieht die Schuld bei der Mineralölbranche. Die Hersteller des neuen Kraftstoffes hätten eine vernünftige Aufklärung versäumt.

Seite 1:

„Das sind alles Pfuscher, Murkser und Dilettanten“

Seite 2:

Kommentare zu " Biokraftstoff E10: „Das sind alles Pfuscher, Murkser und Dilettanten“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Am interessantesten ist für mich, dass die meisten ihren Frust bei der Mineralölindustrie abladen (wie sie es gewohnt sind), evtl noch beim ADAC oder bei Röttgen und der CDU oder Brüderle von der FDP, aber nicht bei dem, der es eingebrockt hat, nämlich Siggipop von der SPD.
    Es geht doch nichts über ein gut informiertes Publikum!

  • Es sind nicht nur Pfuscher und Dilettanten am Werk sondern einfach nur Betrüger - und zwar durch die Bank von der Politik über die Unternehmen bis zu den Lobbyisten und zurück. Es ist gut, daß das ansonsten letargische Fußvolk es jetzt mal gemerkt und mit dem Gaspedal abgestimmt hat. Das ist kein Boykott sondern ganz normaler Instinkt. Vielleicht funktioniert sowas ja auch mal im Superwahljahr.

  • Deutschland anno 2011 !
    Willkommen in der Musterdarstellung einer Demokratur (für Neuzugänge: der frische Fachbegriff für eine demokratische Diktatur - in diesem Falle: Parteidiktatur).
    - Einführung einer "Bio"-gestützten Energieversorgung - in vorauseilendem Gehorsam gegenüber Brüssel
    - der ultimative (weil bezahlte?) Kotau gegenüber den Mineralöl-Lobbyisten (wer beisst schon die Hand, die einen großzügig füttert?)
    - keinerlei Informationspolitik -> bedeutet mangelnde Wertschätzung des Adressaten -> oder auf deutsch: Bürger, friss, weil Du interessierst uns nur zum schröpfen und ankreuzen!
    - AUSGERECHNET die Mineralölkonzerne reissen die Klappe auf. Wer die Preisentwicklung der letzten zwölf Monate aufmerksam verfolgt hat - und speziell die Bindung an den Dollar - konnte die schleichende Verteuerung minutiös nachvollziehen. Rauf geht´s ständig - nur runter existiert nicht mehr. (Und bitte: Schluß mit den "Krisenargumenten" - lächerlicher geht´s nicht mehr)

    Jetzt kommen die ganzen feigen aber pressegeilen Selbstdarsteller aus ihren Löchern gekrochen um - wieder einmal - NICHT die Verantwortung für Ihren selbstkreierten Schwachsinn zu übernehmen, sondern - wie üblich- Schuldzuweisungen zu verteilen.

    Was zum Geier soll der "normale" Bürger hier noch als "Vorbildfunktion" annehmen?
    Lug und Trug, Feigheit und Inkonsequenz?

    Wir debattieren über kopierte Dissertationen - ich halte die rückgratlose Haltung aller Beteiligten für noch schlimmer.

    Die selben Vollpfosten die ständig nach "Integrität, Authentizität und Ehrlichkeit" verlangen, sollten sich zuallererst selbst darum kümmern.

    Es widert mich an!

    Wie schon einer der Vorposter schrieb:
    "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!"

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%