Biolebensmittelbranche
Biobranche erlebt ihre erste Krise

Die Biolebensmittelbranche kämpft gegen ihre erste Krise. Supermärkte, die ausschließlich Biolebensmittel anbieten, müssen sich auf harte Zeiten einstellen, denn Verbraucher greifen immer häufiger zu Bioprodukten von Discountern. Ein Markt im Umbruch.

DÜSSELDORF. Nach fünf Jahren Wachstum ist im zweiten Quartal der Umsatz an Deutschlands Ökotheken um drei Prozent eingebrochen. Inflationsbereinigt wäre der Rückgang noch deutlicher. International sieht es ähnlich aus.

Whole Foods, die größte Biomarktkette der USA, meldet für das zweite Quartal einen Gewinneinbruch von 31 Prozent. In Großbritannien gaben die Verbraucher im ersten Halbjahr 8,1 Prozent weniger für Ökoessen aus. „Wenn die Konsumstimmung schlechter wird, sparen die Verbraucher zuerst bei teuren Sonderausgaben – wie eben Biolebensmittel“, sagt Paul Michels von der Zentralen Markt und Preisberichtsstelle (ZMP) in Bonn.

Der Branche erlebt zugleich ihren ersten großen Umbruch. Während viele der 3 000 deutschen reinen Bioläden, die mehr als ein Drittel des 5,3 Milliarden Euro schweren deutschen Biomarkts ausmachen und den Boom der vergangenen Jahre ausgelöst haben, kriseln, gewinnen Lebensmittelriesen wie Edeka, Rewe und vor allem die Discounter Marktanteile rund um das Geschäft mit den grünen Genussgelüsten. Aber auch sie verfehlen die Traumzahlen von vor Jahresfrist.

Eine Verdopplung des Ökoumsatzes von 5,3 auf gut zehn Milliarden Euro bis Ende nächstes Jahres hatte der Bund Ökologischer Landwirtschaft Anfang des Jahres angekündigt. Jetzt heißt es dort, man habe nicht ernsthaft mit jährlichen Wachstumsraten von 15 Prozent rechnen können.

Der Berliner Agrar-Professor Harald von Witzke prophezeit bereits das Ende der Boomphase. „Es wird einen härteren Kampf um die Kunden geben“, sagt auch Gerd Bovensiepen, Partner und Einzelhandelsexperte bei der Unternehmensberatung Price Waterhouse-Coopers (PWC). Allerdings glaubt er nicht an eine generelle Abkehr von „Bio“. Der Markt werde sich umstrukturieren.

Vor allem die reinen Bioanbieter stellen sich auf härtere Zeiten ein. In den vergangenen Jahren wuchs die Zahl der Supermärkte, die ausschließlich Biolebensmittel verkaufen, auf 550. Hinzu kommen gut 2 500 kleinere Fachgeschäfte, eine Art Öko-Tante-Emma, in denen Kunden auf kleiner Fläche ausschließlich Bioware kaufen – zu Preisen, die um bis zu 50 Prozent über denen des Lebensmitteleinzelhandels liegen.

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