Biosparte bedrängt konventionelle Schönheitsmittel
Naturkosmetik legt Öko-Image ab

Einst waren sie als Jutesackträger und Körnerpicker verschrien, heute gilt der Griff zu Ökoprodukten als chic. „Nach den Lebensmittelskandalen der vergangenen Jahre haben viele Menschen ihre Ernährung umgestellt und greifen zu Bioprodukten“, sagt Julia Richter vom Naturkosmetikhersteller Wala GmbH in Bad Boll. „Eine ähnliche Entwicklung stellen wir in der Naturkosmetikbranche fest.“

HB DÜSSELDORF. Die Zielgruppe für Naturkosmetik wird immer größer: Eltern kaufen geprüfte Seifen für ihre Kinder, Frauen achten verstärkt auf die Inhaltsstoffe ihres Make-Ups und auch Männer lesen sich die Produkthinweise ihrer After-Shave-Lotion aufmerksam durch. Naturkosmetik boomt: In den vergangenen 18 Jahren ist der Markt für Biopräparate von 64 Mill. Euro auf 649 Mill. Euro gewachsen, das entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von 50 Prozent im Jahr. Für 2004 geht die Unternehmensberatung BBE in Köln von einem Plus von 2,5 bis 3,5 Prozent aus. Die Großen der Branche, darunter auch Wala mit dem Verkaufsschlager Dr. Hauschka, liegen jedoch deutlich darüber. Wala-Geschäftsführer Johannes Stellmann spricht von einem Wachstum „im angenehmen zweistelligen Bereich“. 2004 hat der Hersteller Cremes, Lotionen und Schminke für 60 Mill. Euro verkauft.

Auch der Marktführer Weleda aus Schwäbisch-Gmünd hat seinen Naturkosmetik-Umsatz voriges Jahr um 11 Prozent gesteigert und kann damit quasi sein schleppendes Arzneimittelgeschäft subventionieren. Der Gesamtumsatz ist um 8 Prozent auf 96,6 Mill. Euro gestiegen.

Von diesen Wachstumszahlen können die sehr viel größeren Hersteller konventioneller Kosmetik nur träumen. Der Markt für herkömmliche Produkte tritt seit 2001 nahezu auf der Stelle. Die Billigvarianten der Discounter bringen die Kosmetikbranche auf der einen Seite in Bedrängnis, der Konsumfrust und die Biosparte tun ihr übriges. 2004 ist der Umsatz nach Angaben des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel um 1,7 Prozent auf elf Mrd. Euro gesunken.

Deshalb versuchen Konzerne wie Beiersdorf, Henkel, L'Oreal, Procter & Gamble oder Unilever, das Bedürfnis der Verbraucher nach Natürlichkeit aufzugreifen. Henkel ist beispielsweise mit der Aok-Linie auf dem Markt, andere bringen verstärkt naturidentische Essenzen in ihre Produkte. Rudolf Frisch, Geschäftsführer für Controlling, Finanzen und Herstellung bei Weleda, sieht darin allerdings nur einen halbherzigen Versuch: „Ich stelle das Bemühen der Großen wohl in den Werbeaussagen fest, nicht aber in der Produktqualität.“

Um die eigene Qualität sicherzustellen, haben sich 50 deutsche Naturkosmetik-Marken beim Bundesverband Deutscher Industrie und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel (BDIH) registrieren lassen. Der BDIH vergibt das wichtigste Qualitätssiegel der Branche. Damit beispielsweise die - nach Angaben des BDIH - fünf größten Anbieter Weleda, Wala, Logona aus dem niedersächsischen Salzhemmendorf, Lavera aus Wennigsen bei Hannover oder Primavera aus dem bayerischen Sulzberg den Stempel „Kontrollierte Natur-Kosmetik“ führen dürfen, müssen sie hohe Anforderungen erfüllen: Sie müssen pflanzliche Rohstoffe verwenden und auf synthetische Farbstoffe, Duftstoffe, Silikone, Paraffine oder andere Erdölprodukte verzichten und dürfen keine Tierversuche oder Genmanipulationen unterstützen.

Mit dieser Strategie sind die Hersteller aus den Reformhäusern und Biolädchen herausgekommen. Vor zehn Jahren wurde noch die Hälfte der Naturkosmetik über Reformhäuser verkauft, heute liegt der Wert laut BBE bei 12,6 Prozent. Frisch von Weleda freut sich zwar über das Wachstum, meint aber: „Es ist eine große Herausforderung, die Qualität auf dem hohen Niveau zu halten.“ Schließlich handelt es sich um pflanzliche Ressourcen, die nicht von heute auf morgen nachwachsen.

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