Biotech-Firma
Boom bei Actelion nähert sich dem Ende

Der Preisdruck im Gesundheitssystem und der starke Schweizer Franken dämpfen das Wachstum des Biotechkonzern Actelion. Mit neuen Medikamenten wollen die Schweizer nun zurück auf den Wachstumskurs.
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ZürichBeim Schweizer Biotechkonzern Actelion geht die jahrelange Boomphase zu Ende. Europas Branchenführer rechnet im kommenden Jahr erstmals seit seinem Bestehen mit rückläufigen Produktumsätzen. Actelion bekommt die Konkurrenz für seinen Umsatzrenner Tracleer und den Preisdruck in den staatlichen Gesundheitssystemen zu spüren. Außerdem macht dem Unternehmen die Stärke des Franken zu schaffen - Einnahmen aus anderen Währungsräumen vermindern sich dadurch. Anleger reagierten verschnupft auf die Nachricht: Actelion-Aktien brachen 11,4 Prozent auf 30,14 Franken ein und waren der mit Abstand größte Verlierer unter den europäischen Gesundheitswerten . 

Bis ein neuer Wachstumstreiber auf den Markt kommt, wird noch einige Zeit vergehen. „Die Pipeline macht Fortschritte, neue Medikamente kommen“, sagte Firmenchef und -gründer Jean-Paul Clozel am Donnerstag zu Reuters. „Das Wachstum wird aus unserer Pipeline kommen.“ Actelion setzt dabei vor allem auf Macitentan, das das Erfolgsprodukt Tracleer ablösen soll. Nach den jüngsten klinischen Daten zur Sicherheit des Mittels sei er für Macitentan zuversichtlicher, erklärte Clozel. Die Ergebnisse eines spätklinischen Tests zur Wirksamkeit des Präparats bei Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH) sollen im ersten Halbjahr 2012 vorliegen. 

Dank des Lungenmedikaments Tracleer, das für das Gros der Verkaufserlöse steht, gilt die 1997 gegründete Actelion als eine Erfolgsgeschichte der europäischen Biotech-Branche. Doch das Präparat bekommt vor allem in den USA Konkurrenz durch das Gilead -Mittel Letairis, nachdem die US-Arzneimittelbehörde FDA im März eine Warnung vor möglichen Leberschäden zurückzog. Letairis wird damit ein ernstzunehmender Rivale bei der PAH-Behandlung, wo Tracleer bisher als unangefochtener Marktführer gilt. Die Entwicklung zeige die überragende Bedeutung von Macitentan für Actelions Zukunft, urteilte Sarasin-Analyst David Kägi. 

Im dritten Quartal verdiente Actelion unter dem Strich 81,6 Millionen Franken und kehrte damit in die Gewinnzone zurück, nachdem die Kosten für den Lizenzstreit mit der japanischen Asahi Kasei dem Unternehmen im Zeitraum April bis März noch tiefrote Zahlen beschert hatten. Ob es für einen Jahresgewinn reicht, ist dennoch fraglich. Abhängig von der Entwicklung des Asahi-Falls und der Wechselkurse sei zwar ein kleiner Gewinn denkbar, sagte Finanzchef Andrew Oakley, schränkte aber ein: „Wenn der Urteilsspruch bleibt wie er ist, wird es einen Verlust geben.“ Trotzdem strebe Actelion für 2011 eine Dividendenzahlung an. 

An der Jahresprognose für das operative Geschäft hielt Actelion fest: Unter Ausschluss von Währungseinflüssen sollen die Produktverkäufe um einen mittleren einstelligen Prozentbetrag steigen und das bereinigte Betriebsergebnis um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz. Doch 2012 dürften die Verkäufe dann um einen niedrigen bis mittleren Prozentbetrag zurückgehen. „Dies ist in erster Linie auf den weltweit erhöhten Preisdruck und auf einen verstärkten Wettbewerb in den Vereinigten Staaten zurückzuführen“, sagte Oakley. 

Im dritten Quartal sanken die Produktverkäufe wegen des starken Franken um zehn Prozent auf 400,1 Millionen Franken, das um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsergebnis (Non-GAAP Ebit) ging um zwölf Prozent auf 123,9 Millionen Franken zurück. Actelion schnitt damit schlechter ab als Analysten erwartet hatten. Unter Ausschluss von Wechselkurseinflüssen wuchsen die Verkaufserlöse und das bereinigte Betriebsergebnis hingegen um sechs beziehungsweise 19 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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