Biotech-Generika
Kopien erobern den Markt

Vor wenigen Jahren wurden in Europa die ersten Nachahmerprodukte von Biotechpräparaten zugelassen. Experten glauben, dass diese Biotech-Generika in den nächsten Jahren ein milliardenschweres Segment im internationalen Pharma-Markt einnehmen werden. Doch die Entwicklung der Medikamente ist teuer.

FRANKFURT. Nachahmerprodukte von biotechnologisch hergestellten Medikamenten werden sich in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach als milliardenschweres Segment im internationalen Pharmamarkt etablieren. Die Zahl der Anbieter der sogenannten Biosimilars und der Preiswettbewerb dürfte vorerst jedoch überschaubar bleiben. Davon gehen Pharma- und Gesundheitsexperten aus, die im Handelsblatt-Roundtable die Chancen und Risiken dieser neuen Medikamente erörterten.

Drei Jahre nach den ersten Zulassungen sind in Europa mittlerweile 13 Produkte in drei Substanzklassen auf dem Markt. In den USA fehlen bislang noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Zulassung von Biotech-Generika. Präsident Barack Obama drängt aber auf eine entsprechende Gesetzgebung. Die Unternehmensberatung Accenture geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass Biosimilars bis 2011 etwa fünf Mrd. Dollar Umsatz weltweit erreichen könnten. Vor allem aus ökonomischen Gründen werde sich dieser Markt entwickeln, denn der Druck auf die Gesundheitssysteme wachse weiter, sagt Michael Brückner, Accenture-Partner für den Bereich Gesundheit und Life Science. "In dem Moment, wo die USA nachziehen und ebenfalls Regeln für die Zulassung und Vermarktung von Biosimilars schaffen, dürfte der Markt einen deutlichen Schub erhalten", so Brückner.

Biopharmazeutika, darunter eine Reihe wichtiger Krebs- und Rheuma-medikamente, zeichnen sich meist durch sehr hohe Preise aus und erzielten in den letzten Jahren deutlich zweistellige Wachstumsraten. Weltweit setzen Pharmahersteller inzwischen mehr als 90 Mrd. Dollar mit diesen Produkten um, davon mehr als sechs Mrd. Dollar in Deutschland. Etwa ein Fünftel des Marktes ist im Prinzip generikafähig, weil die Patente ausgelaufen sind. In den nächsten Jahren werden zudem viele Antikörper wie beispielsweise das Krebsmittel Rituxan den Patentschutz verlieren, was neue Nachahmermedikamente auf den Plan rufen wird.

Biosimilars sind dabei sowohl für die Generikabranche als auch für die Krankenkassen äußerst attraktiv. Während sich Generikahersteller ein neues Wachstumsfeld versprechen, hoffen die Kassen darauf, mit Hilfe der Biosimilars die Kostensteigerung bei den Biopharmazeutika eindämmen zu können. Immerhin kosten einige dieser Medikamente mehr als 50 000 Euro pro Patient und Behandlungszyklus.

Allerdings haben die Kassen vorerst offenbar keine Ambitionen, die Preise in diesem Geschäft ähnlich heftig nach unten zu drücken wie bei klassischen Generika, wie Karl-Heinz Schönbach, Geschäftsführer Versorgung beim AOK-Bundesverband deutlich machte. "Wir wollen in diesem Bereich nichts überstürzen. Wir stehen bei Biosimilars ja erst ganz am Anfang der Entwicklung. Da ist eine Politik der ruhigen Hand besser als Kostenhektik", so Schönbach.

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