Biotech-Konzern: Biogen hofft auf Mittel gegen Multiple Sklerose

Biotech-Konzern
Biogen hofft auf Mittel gegen Multiple Sklerose

Knapp zwei Jahre nach einem herben Rückschlag kann der amerikanische Biotech-Konzern Biogen-Idec auf ein erfolgreiches Comeback seines Medikaments Tysabri hoffen. Damit könnte der US-Konzern seine führende Position in diesem Geschäft absichern.

FRANKFURT. Tysabri, ein Wirkstoff gegen die Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS), hat im ersten vollen Quartal seit der Wiedereinführung auf dem Markt im vergangenen Sommer einen Umsatz von rund 17 Mill. Dollar erzielt. Er wurde nach Angaben von Biogen inzwischen rund 10 000 Patienten verordnet, ohne dass neue Probleme aufgetreten sind.

Fachleute werten das als Indiz, dass das Mittel mittelfristig doch noch eine wichtige Rolle auf dem Markt für MS-Medikamente spielen kann und der US-Konzern damit seine führende Position in diesem Geschäft absichern kann. Die Umsatzschätzungen von Analysten für Tysabri lagen im Schnitt zwar noch über den tatsächlich erreichten Werten, gleichwohl legte die Aktie von Biogen-Idec gestern Nachmittag leicht zu.

Tysabri zeigte in klinischen Versuchen eine deutlich bessere Wirkung als die etablierten Mittel und galt daher einst als ganz große Hoffnung für Biogen-Idec und den Entwicklungspartner Elan. Doch musste das Mittel im Februar 2005 überraschend vom Markt genommen werden, nachdem bei einigen wenigen Patienten eine seltene, aber lebensgefährliche Virusinfektion im Zusammenhang mit Tysabri aufgetreten war. Das löste damals einen Schock bei Investoren aus und kostete Biogen-Idec wie auch den Partner Elan mehr als ein Drittel der Marktkapitalisierung. Nach umfangreichen Prüfungen genehmigten die Zulassungsbehörden in den USA und in Europa im vergangenen Sommer schließlich eine Wiedereinführung unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen.

Für den Konzern ist es nun wichtig, dass keine weiteren Zwischenfälle auftreten. „Solange das Sicherheitsprofil akzeptabel bleibt, dürfte das einjährige Jubiläum von Tysabri im Sommer zum Katalysator für einen breiteren Einsatz werden“, zitiert die Agentur Bloomberg den Analysten William Tanner von Leering Swann, einer auf den Gesundheitsbereich konzentrierten Research-Firma. Taysabri könnte damit doch noch eine entscheidende Rolle für Biogen-Idec spielen, um die Abhängigkeit vom derzeitigen Hauptprodukt Avonex zu mindern, das derzeit noch zwei Drittel zum Gesamtumsatz beiträgt.

Biogen-Idec, derzeit der viertgrößte unabhängige Biotech-Konzern, ist mit dem Mittel Avonex seit längerem Marktführer auf dem mehr als fünf Mrd. Dollar großen Markt für MS-Medikamente. Avonex legte 2006 um elf Prozent auf rund 1,7 Mrd. Dollar Umsatz zu. Zu den Hauptkonkurrenten gehören Bayer mit dem Mittel Betaferon, das es bei der Übernahme von Schering-Konzern ins Portfolio bekommen hat, sowie die Darmstädter Merck-Gruppe, die mit der Übernahme von Serono auch das MS-Mittel Rebif erworben hat. Betaferon und Rebif dürften 2006 Erlöse von etwa 1,3 Mrd. Dollar verbucht haben, zeigten zuletzt aber etwas stärkere Zuwachsraten.

Zweite Ertragssäule für Biogen-Idec ist das Krebsmedikament Rituxan, das der Hersteller einst zusammen mit Genentech entwickelte. Vom US-Umsatz dieses derzeit umsatzstärksten Krebsmedikaments steht dem Konzern aber nur ein Viertel zu. Insgesamt stieg der Umsatz von Biogen 2006 um elf Prozent auf 2,6 Mrd. Dollar, während der Nettogewinn um gut ein Drittel auf 217 Mill. Dollar zulegte. Im vierten Quartal verdoppelte sich der Gewinn auf 109 Mill. Dollar, lag damit aber leicht unter den Analysten-Erwartungen.

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