Biotech-Unternehmen
Sanofi als neuer Bieter für Actelion

Während der US-Konzern Johnson & Johnson die Biotech-Firma Actelion nicht mehr übernehmen will, zeigt der französische Pharmariese Sanofi nun offenbar Interesse. Geld allein scheint bei der Übernahme nicht entscheidend.
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Zürich/New YorkEin Kauf-Interessent geht, ein neuer kommt: Der US-Konzern Johnson & Johnson (J&J) gibt seine Pläne auf, das Biotech-Unternehmen Actelion zu übernehmen. Stattdessen sind die Schweizer nun in Verhandlungen mit dem französischen Pharmariesen Sanofi, wie die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern erfuhr. Actelion selbst erklärte am Mittwoch lediglich, Gespräche über „eine mögliche strategische Transaktion“ zu führen – ohne dabei Namen zu nennen. An der Börse belastete das Ende der Verhandlungen mit J&J die Actelion-Aktien: Sie rutschten in der Spitze um mehr als zehn Prozent auf 186,10 Franken ab.

Mit J&J hatten die Schweizer Insidern zufolge über eine Übernahme im Volumen von rund 27 Milliarden Dollar verhandelt. Sanofi könnte bis zu 30 Milliarden Dollar für das Biotech-Unternehmen auf den Tisch legen, berichteten das „Wall Street Journal“ und die „Financial Times“. Ein Sanofi-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.

Geld allein scheint bei einer Übernahme nicht entscheidend zu sein: Als ein Schlüsselfaktor gilt die Haltung von Actelion-Chef Jean-Paul Clozel. Der 61-jährige Kardiologe, einer der Firmengründer und größten Aktionäre, war in der Vergangenheit ein entschiedener Verfechter eines eigenständigen Kurses. Insidern zufolge will Clozel das Unternehmen in irgendeiner Form weiterführen. „Er könnte zum Beispiel die Medikamente verkaufen und die Forschung weiterführen. Er denkt, dass Actelion den Auftrag hat, zu forschen“, sagte ein Insider. Das sei auch in den Verhandlungen mit J&J deutlich geworden. „Es ging nicht um den Preis, er will einfach nicht die Kontrolle abgeben“, sagte eine weitere mit dem Vorgang vertraute Person.

Dass Clozel mit harten Bandagen kämpft, zeigt der Ausstieg von J&J. Denn bereits eine Offerte von 27 Milliarden Dollar würde einem Aufschlag von rund 60 Prozent im Vergleich zum Firmenwert vor dem Aufkommen der Übernahmespekulationen entsprechen. Einige Börsianer reagierten daher entrüstet. „Es kann nicht sein, dass die Firma ein Angebot zurückweist, das eine so hohe Prämie beinhaltet“, sagte ein Händler. „Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Aktionäre inzwischen etwas stinkig geworden sind“, sagte ein anderer Börsianer.

Einer der 40 größten Actelion-Investoren, die Union Bancaire Privee aus Genf, erwartet hingegen eine noch höhere Offerte. „Sonst hätte das Direktorium nicht im Interesse der Aktionäre gehandelt, wenn es eine Situation schafft, in der sich J&J zurückzieht“, sagte UBP-Fondsmanagerin Eleanor Taylor Jolidon.

Die 1997 gegründete Actelion mit Sitz in Allschwil nahe Basel gilt seit längerem als Übernahmekandidat. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Medikamente zur Behandlung von lebensbedrohlichem Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH). Im Vorjahr stand bei zwei Milliarden Franken Umsatz unter dem Strich ein Gewinn von 552 Millionen Franken. Das weckt Begehrlichkeiten, doch bislang konnte Actelion sämtliche Übernahmeversuche wie etwa den des Finanzinvestors Elliott abwehren.

Für Sanofi stünde mit einem Einstieg in das Rennen um Actelion viel auf dem Spiel: Der französische Konzern zog bereits im Wettbieten um den US-Krebsspezialisten Medivation den Kürzeren. Hier war letztlich Pfizer mit einem 14 Milliarden Dollar schweren Angebot erfolgreich. Nach Einschätzung von Analysten kann sich Sanofi-Chef Olivier Brandicourt eine weitere Niederlage in einem hochkarätigen Bieterrennen nicht leisten. Er hatte Zukäufe bereits in Aussicht gestellt und Ende Oktober gesagt: „Wir werden in der Lage sein, schnell zu handeln, wenn sich attraktive Gelegenheiten bieten.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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