Biotechfirma sucht nach Onkologie-Produkten
US-Konzern Cephalon will in Europa zukaufen

Alain Aragues hat viel vor. Der Europa-Chef des amerikanischen Biotechnologie-Konzerns Cephalon ist angetreten, um sein Unternehmen auf dem alten Kontinent substanziell zu verstärken.

FRANKFURT. Bis zum Jahr 2008 solle der Europa-Anteil am Konzernumsatz von derzeit 15 auf 40 Prozent steigen, sagte der ehemalige Pharma-Manager dem Handelsblatt. „Das entspricht einem Mehrumsatz von etwa 400 Mill. Dollar, den wir nur mit Zukäufen erreichen können.“

Das 1987 gegründete Unternehmen Cephalon gehört zu den wenigen Biotechnologie-Unternehmen, die bereits mehr als eine Mrd. Euro im Jahr umsetzen. Mit Produkten, die es kurz vor der Marktreife erwarb, hat das Unternehmen bereits unter Beweis gestellt, dass es Gewinne erwirtschaften kann. Im vergangenen Jahr setzte das gemessen am Umsatz achtgrößte Biotechnologie-Unternehmen der Welt 1,2 Mrd. Dollar um und wies einen Netto-Verlust von 175 Mill. Dollar aus.

Doch die aggressive Expansionspolitik hinterlässt ihre Spuren in der Bilanz. Im Branchenvergleich ist Cephalon extrem hoch verschuldet. Im Geschäftsbericht für das erste Quartal wies das Unternehmen eine Gesamtverschuldung von knapp 1,7 Mrd. Dollar aus. Die meisten Unternehmen der Branche sind mit deutlich weniger als einem Jahresumsatz verschuldet. Doch Arthur Wong, Analyst bei der Rating-Agentur Standard & Poor’s, urteilt milde: „Steigender Cash-Flow und die volle Produktpipeline wiegen diesen Faktor zum Teil wieder auf.“

Ein Zukauf, der Cephalon in Europa eine kritische Größe verschafft, dürfte ohne neue Schulden jedoch kaum möglich sein. Denn anders als in den USA können Übernahmen hier selten in Aktien gezahlt werden. Zudem hat sich Aragues mit der Onkologie ein Therapiegebiet ausgesucht, auf das derzeit beinahe jedes Pharma- oder Biotechnologieunternehmen zu drängen scheint. Wie stark das Interesse der Pharmaindustrie an potenziellen Krebsmedikamenten ist, zeigte die Übernahmeschlacht um Schering, die sich der Darmstädter Merck-Konzern mit Bayer lieferte. Für Unternehmen mit aussichtsreichen Produktkandidaten sind Kaufpreise, die dem Drei- bis Vierfachen des Umsatzes entsprechen, keine Seltenheit.

Schon einmal griff Cephalon tief in die Tasche, um sich in der Onkologie zu verstärken. Für die britische Biopharmazie-Firma Zeneus, die mit wenigen Nischenprodukten für Krebspatienten rund 90 Mill. Dollar im Jahr umsetzt, zahlte das Unternehmen knapp 390 Mill. Dollar.

Weltweit sind nach Schätzung der Schweizer Investmentfirma Adamant etwa 400 potenzielle Krebsmedikamente in der Entwicklung. An der Nachfrage dürfte es nicht mangeln, denn nachdem neue Blutdruckmittel und Cholesterinsenker in den vergangenen Jahren das Infarktrisiko reduziert haben, wird der Krebs nach Einschätzung von Medizinern in den Industrieländern in naher Zukunft schon zur Todesursache Nummer eins werden.

Traditionell ist das 1987 von einem Neurowissenschaftler der Universität Philadelphia gegründete Unternehmen Cephalon eher auf dem Neurologie-Markt zuhause. Fast ein Viertel des Cephalon-Umsatzes entfällt auf Provigil, eine Tablette, deren Einnahme ohne Rauschwirkung wach hält. Sie wird Narkoleptikern verordnet, die wegen unkontrollierbarer Schlafattacken ohne Medikamente kaum ein normales Leben führen können.

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