Biotechindustrie
Hopp reaktiviert Lion Bioscience

Der frühere SAP-Chef Dietmar Hopp baut sein Engagement in der deutschen Biotechindustrie weiter aus. Dafür will er der ausgehöhlten Lion Bioscience AG neues Leben einhauchen.

FRANKFURT. Im Zuge einer komplexen Transaktion hat Hopp eine Mehrheit an der bisherigen BASF-Beteiligung Axaron erworben, um diese anschließend in die börsennotierte Lion Bioscience AG einzubringen. Das einstige Bioinformatik-Unternehmen erhält damit eine neue operative Basis und wandelt sich zum Forschungs-Unternehmen im Bereich neurologische Erkrankungen. Es wird später voraussichtlich in „Sygnis AG“ umbenannt.

Der SAP-Gründer wird nach Abschluss des Deals rund 20 Prozent an Lion Bioscience halten. Er will den übrigen Anteilseignern des Unternehmens aber ein Übernahmeangebot in Höhe von 1,82 Euro je Aktie machen. Die BASF, die bislang die Forschung der Axaron finanzierte, will mit rund fünf Prozent an der neu strukturierten Lion beteiligt bleiben. Lion-Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender Friedrich von Bohlen wird 7,6 Prozent halten, die Bayer AG voraussichtlich ebenfalls rund fünf Prozent.

Lion Bioscience gehörte in den späten 90er Jahren zu den Stars der jungen deutschen Biotech-Szene und konnte im Zuge eines Börsengangs im August 2000 rund 200 Mill. Euro einsammeln. Mit den eigenen Bioinformatik- und Forschungs-Aktivitäten erlitt das Unternehmen anschließend jedoch Schiffbruch. Sie wurden inzwischen komplett aufgegeben oder veräußert. Übrig geblieben sind fünf Mitarbeiter, 200 Mill. Euro steuerliche Verlustvorträge und 23 Mill. Euro liquide Mittel. Mit dem Geld will Hopp nun bei Axaron die Forschung vorantreiben.

Das Heidelberger Unternehmen Axaron wurde 1997 von der BASF und der amerikanischen Biotechfirma Lynx als Genomforschungs-Spezialist im Bereich der Neurologie gegründet. Wie viele Biotechfirmen musste sich auch Axaron später weitgehend umorientieren und auf die konkrete Wirkstoffentwicklung konzentrieren. Daraus sind mehrere Produktkandidaten für die Schlaganfall-Behandlung hervorgegangen. Das am weitesten fortgeschrittene Projekt befindet sich in der Phase II der klinischen Prüfung, in der erste Wirksamkeitsdaten am Menschen erhoben werden. Eine größere, zulassungsrelevante Studie hoffe man 2008 zu starten, sagte Axaron-Chef Alfred Bach.

Die BASF, die ihre Pharmasparte bereits 2001 verkaufte, wollte die Forschung von Axaron nicht mehr in größerem Umfange finanzieren. Sie stellt dem Unternehmen im Rahmen ihres regionalen Engagements aber noch rund acht Mill. Euro zur Verfügung. „Wir glauben an das Potenzial des Unternehmens und wollen zusammen mit dem Hauptinvestor versuchen, das Portfolio weiterzuentwickeln“, sagte der stellvertretende BASF-Vorstandsvorsitzende Eggert Voscherau.

Hopp hat insgesamt 21 Mill. Euro zugesagt. Der SAP-Mitgründer ist in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Investoren in der deutschen Biotechbranche aufgestiegen und hält mehr als ein Dutzend Beteiligungen in dem Sektor.

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