Biotechnologie
„Die Krise ist positiv für uns“

Biotechnologie ist fraglos eine Branche mit Zukunft. Im Hinblick auf deutsche Firmen fällt das Bild allerdings gemischt aus. Großer Hoffnungsträger ist Qiagen. Peer Schatz spricht im Handelsblatt-Interview über neue Chancen auf dem US-Markt, bessere Möglichkeiten der Krebs-Erkennung und Fehler der Politik.

Handelsblatt: Herr Schatz, die deutsche Biotechbranche klagt verstärkt über Finanzprobleme. Gerät damit auch Branchenführer Qiagen unter Druck?

Peer Schatz: Nein, wir erwarten ein weiteres gutes Jahr für Qiagen. Wir erzielen unvermindert hohe Wachstumsraten und bedienen solide Märkte. Was uns allenfalls etwas bremst, ist nicht die Finanzkrise, sondern der rechnerische Effekt der Dollar-Aufwertung. Wir erwarten auch im laufenden Jahr ein organisches Wachstum von zwölf bis 13 Prozent. Auf Basis konstanter Wechselkurse gerechnet, würde damit unser Umsatz erstmals die Grenze von einer Mrd. Dollar übersteigen. Es mag auf den ersten Blick erstaunlich erscheinen: In mancher Hinsicht ist die Krise für uns sogar positiv.

Wie das?

Die Konjunkturpakete in den USA fließen zu einem erheblichen Teil in die Forschung, insbesondere in den Life-Science-Bereich. Die US-Regierung hat erkannt, dass solche Investitionen eine sehr starke Transmissionswirkung auf die Gesamtwirtschaft entfalten. Nach den mageren Jahren der Bush-Regierung werden die Forschungsinstitute daher deutlich größere Ressourcen erhalten. In diesem Bereich erzielen wir immerhin ein Viertel unserer Erlöse.

Ihr Hauptarbeitsgebiet ist inzwischen aber die medizinische Diagnostik.

Auch dort versprechen wir uns positive Effekte von der US-Politik. Viele Initiativen zielen auf eine höhere Effizienz des Gesundheitswesens, unter anderem durch bessere Prävention und Diagnose. Präsident Barack Obama gehörte auf der politischen Bühne stets zu den Vorreitern der "personalisierten Medizin", der Ausrichtung der Therapie am genetischen Profil des Patienten - ein Bereich, in dem unsere Produkte eine Schlüsselrolle spielen.

Welche Perspektiven bieten sich denn für das Diagnostikgeschäft?

Die Märkte, in denen wir eine Schlüsselposition haben, stehen im Grunde erst ganz am Anfang, etwa dort, wo sich die IT-Branche Anfang der 80er-Jahre befand. In der Medizin vollzieht sich ein Megatrend hin zum stärkeren Einsatz von Information. Die Diagnostik ist dabei ein zentrales Element.

Im Verhältnis zum Pharma- und Kliniksektor ist das Marktvolumen bisher aber noch bescheiden.

Ja, von den Ausgaben der Gesundheitssysteme fließen bisher nur drei bis vier Prozent in die Erfassung und Analyse von Informationen. Das ist irrwitzig und wird sich deutlich verschieben müssen, wenn man wirklich präzisere und daher effizientere Therapien sowie eine bessere Gesundheitsvorsorge etablieren will. Höhere Ausgaben für Diagnostik können enorme Folgekosten sparen, etwa in der Krebstherapie.

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