Biotechnologie
Dritter Anlauf eines gefallenen Biotech-Engels

Deutsche Biotechinvestoren müssen sich mit einem neuen Namen vertraut machen. Im neuen Gewand und mit einem Wirkstoff aus der Muttermilch versucht die Biotechfirma GPC ein Comeback in der Krebsforschung. Eine Rückkehr ins operative Geschäft unternimmt auch ein erfahrener Manager.
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FRANKFURT. In Gestalt der neu formierten Agennix AG vollzog am Freitag die einstige GPC Biotech eine Art Renaissance an der Börse. Zugleich kehrte mit Friedrich von Bohlen ein Manager ins operative Geschäft zurück, der Anfang des Jahrzehnts als Chef von Lion Bioscience sowohl für den größten IPO der deutschen Biotechbranche als auch für einen ihrer größten Flops verantwortlich war.

Als Geschäftsführer der Dievini Hopp Biotech Holding betreut der 47-jährige seit einigen Jahren die zahlreichen Biotech-Engagements des SAP-Gründers und GPC-Großaktionärs Dietmar Hopp. Die Führung von Agennix hat er interimsweise für maximal neun Monate übernommen, bis ein CEO gefunden ist.

In seiner neuen Rolle steuert von Bohlen gewissermaßen den dritten Versuch von GPC, doch noch erfolgreich zu werden – nachdem das Unternehmen zuvor sowohl in der Genomforschung als auch mit der Entwicklung eines Krebs-Wirkstoffes scheiterte. Der Werdegang von Agennix/GPC ist insofern ein anschauliches Beispiel für die verschlungenen Wege und Irrwege im Biotech-Geschäft.

Formal entstand die Agennix AG im Zuge eines „Reverse Triangular Mergers“ aus einer Neugründung, die GPC-Großaktionär Dietmar Hopp zunächst mit 15 Mio Euro Kapital ausstattete. Anschließend wurde die US-Firma Agennix Inc. im Wege einer Sachkapitalerhöhung eingebracht und in einem dritten Schritt schließlich GPC auf die neue Firma verschmolzen. Die bisherigen GPC-Aktionäre erhielten dabei für je fünf alte Anteile eine neue Aktie. Größter Anteilseigner des neuen Unternehmens ist die Familie von Agennix-Gründer Gordon Cain mit 26 Prozent, knapp 20 Prozent hält Hopp, 4,9 Prozent der niederländische Chemiekonzern DSM, der auch das Hauptprodukt von Agennix produziert.

Biotech-Manöver

In der Biotech-Szene gehören solche Fusionen zu den gängigen Manövern, um Firmen mit Restbeständen an Cash (und Verlustvorträgen) und Einheiten mit noch intakten Forschungs-Projekten zusammenzubringen. Auf ähnliche Weise hatte Hopp vor zwei Jahren die Heidelberger Axaron mit der operativ ausgebluteten Lion Bioscience verschmolzen, um daraus Sygnis zu formen. Die Münchner Micromet fusionierte mit der erfolglosen US-Firma Cancervax und vollzog auf diese Weise ein Listing an der Nasdaq.

Die einst als Genomforschungsfirma gegründete GPC hatte ihre operative Basis verloren, nachdem das Krebsmittel Satraplatin 2008 an der Zulassung scheiterte. Die Münchner Firma büßte mehr als 90 Prozent ihres Börsenwerts ein und entließ 80 Prozent der Belegschaft. Ohne neue Produktkandidaten hatte sie kaum eine Chance auf Weiterbestand.

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