Biotechnologie
Fresenius und der Triumph von Trion

Horst Lindhofer hat mit seinem Unternehmen Trion Pharma Pionierarbeit geleistet: Ende April hat der Vertriebspartner Fresenius Biotech die europäische Zulassung für das Mittel Removab erhalten. Erstmals hat damit ein Wirkstoff zur Aktivierung der besonders potenten T-Zellen des Immunsystems die klinischen Tests gemeistert.

FRANKFURT. Horst Lindhofer hat erreicht, wovon alle anderen deutschen Biotech-Unternehmer bisher nur träumen: ein neues Medikament vom Labor bis zur Marktreife zu entwickeln.

Sein Unternehmen, die Trion Pharma AG, kann dabei gleich in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahmestellung für sich beanspruchen. Ende April erhielt ihr Vertriebspartner Fresenius Biotech die europäische Zulassung für das Mittel Removab zur Behandlung von maligner Aszites, einer krebsbedingten Art von Bauchwassersucht. Erstmals meisterte damit ein Wirkstoff zur Aktivierung der besonders potenten T-Zellen des Immunsystems die klinischen Tests. Und eine gewisse Pionierleistung ist Trion auch gelungen, als das Unternehmen eine eigene aufwändige Biotech-Produktion für diese Substanz aufbaute.

So ungewöhnlich wie der Erfolg ist der Werdegang des Münchner Unternehmens: Als sich Lindhofer 1998 mit seinem Forschungsprojekt von der Helmholtz-Gesellschaft abnabelte und eine Firmengründung wagte, hatte er fast von der ersten Stunde an bereits einen potenten Finanzier und Industriepartner in Gestalt des Gesundheitskonzerns Fresenius zur Seite. Das Fresenius-Management fand die Konzepte des jungen Biochemikers damals so vielversprechend, dass es Forschung- und Entwicklung praktisch von Anfang an komplett finanzierte. Anders als die meisten Firmengründer in der Branche konnte sich Lindhofer die aufreibende Suche nach Risikokapital-Gebern (VC) sparen, und er weiß diesen Umstand im Rückblick durchaus zu schätzen: "Mit dem klassischen Finanzierungsmodell über VC-Gesellschaften hätten wir uns nie so stark auf Wissenschaft und Produktentwicklung konzentrieren können."

Branchenkenner gehen davon aus, dass Trion mit Unterstützung von Fresenius alles in allem einen dreistelligen Millionenbetrag in die Produktentwicklung und den Produktionsaufbau investierte.

Wie Lindhofer einräumt, haben seinerzeit glückliche Zufälle mitgeholfen, die Partner zusammenzuführen. Dessen ungeachtet zeigt das Beispiel aus Sicht von Fachleuten, wie fruchtbar eine frühe Kooperation von Biotech- und Pharmafirmen sein kann. Fresenius hält die Vertriebsrechte an Removab sowie zwei weiteren Produkt-Kandidaten und ist mir mehr als einem Viertel an Trion beteiligt. Das Münchner Unternehmen wiederum produziert den Wirkstoff, erhält eine Umsatzbeteiligung und kann über die Kooperation mit Fresenius hinaus weitere Entwicklungsprojekte in eigener Regie vorantreiben. Lindhofer selbst hält dabei weiterhin die Mehrheit der Trion-Aktien und ist damit vermutlich einer der ganz wenigen Biotech-Gründer, die noch volle Kontrolle über ihr Unternehmen haben.

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