Biotechnologie gegen Sepsis
Wette gegen einen Killer

Die Berliner Biotechfirma DBI will die Forschung an einem neuen Mittel gegen Blutvergiftung vorantreiben. Eine Kapitalerhöhung über die Börse soll die nötigen Finanzmittel sichern.

FrankfurtSie gehört zu den gefürchtetsten und teuersten Komplikationen in der Klinik: Etwa 150.000 Menschen erkranken alljährlich alleine in Deutschland an einer Sepsis, im Volksmund auch Blutvergiftung genannt. Zwischen 30 und 50 Prozent von ihnen sterben daran. Weltweit wird die Zahl der Todesopfer auf jährlich acht Millionen geschätzt. Denn selbst der Intensivmedizin gelingt es in vielen Fällen nicht, die für eine Sepsis typischen schweren Entzündungsreaktionen in den Griff zu bekommen. Die Patienten erliegen am Ende einem heftigen Blutdruckabfall und Multiorganversagen.

Wirksame Medikamente sind Mangelware. Denn auch für die Pharmabranche hat sich die Sepsis als ausgesprochen harte Nuss erwiesen. Viele Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet sind in den letzten Jahren gescheitert.

Die beträchtlichen Entwicklungsrisiken auf dem Feld halten die Unternehmensgründer Bernd Wegener und Andreas Bergmann indessen nicht davon ab, mit ihrer Firma Deutsche Biotech Innovativ AG (DBI) einen neuen Anlauf zu nehmen, sowohl im Kampf gegen die Sepsis als auch im Ringen um das dazu nötige Risikokapital. Vor allem zur Finanzierung eines neuen Forschungsprojekts gegen Sepsis werben sie derzeit um externe Geldgeber für die erste größere Kapitalerhöhung bei der bereits börsengelisteten DBI.

Mit dem angestrebten Emissionserlös von rund 20 Millionen Euro will das Berliner Unternehmen insbesondere den wichtigsten Hoffnungsträger, einen Wirkstoffkandidaten namens Adrecizumab, in die klinischen Studien bringen. Es handelt sich dabei um einen so genannten Antikörper, ein komplexes Eiweißmolekül, das in der Lage ist, das körpereigene Hormon Adrenomedullin (ADM) zu neutralisieren. Denn ADM, zeigt sich DBI-Chef Wegener überzeugt, ist einer der zentralen Faktoren, der eine Sepsis so gefährlich macht.

Das Hormon wird bei einer Sepsis mitunter im Übermaß ausgeschüttet und löst dadurch eine sehr starke Erweiterung der Gefäße aus. Die Folge: septischer Schock aufgrund von Mangeldurchblutung und Organversagen. Gelingt es, ADM teilweise zu blockieren, glaubt Wegener, könnten Mediziner den gefürchteten Schock bei Sepsispatienten verhindern. „Sie gewinnen damit Zeit, um die zugrunde liegende Infektion zurückzudrängen.“

Wegener und sein Partner bringen umfangreiche Erfahrung aus der Pharma- und Biotechbranche mit und haben auch ihre Hypothese, dass ADM eine zentrale Rolle bei Sepsis spielt, nicht aus der Luft gegriffen. Denn mit dem Thema Sepsis setzen sie sich schon seit vielen Jahren auseinander, so vor allem als Gründer und Manager der Diagnostikfirma Brahms. Diese entwickelte in den 90er Jahren unter anderem einen Biomarker zum Nachweis von Sepsis. Brahms wurde 2009 für mehr als 300 Millionen Euro vom amerikanischen Labortechnik-Konzern Thermo Fisher übernommen. Den Erlös aus dem Firmenverkauf reinvestiert Wegener seither in eine Reihe neue Biotechfirmen, darunter die DBI.

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Charakter eines echten Börsengangs

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