Biotechnologie
Herber Rückschlag für Biotechfirma Evotec

Die Aktien der Hamburger Biotechnologie-Firma Evotec sind gestern abgestürzt, nachdem das Unternehmen am Dienstag Abend enttäuschende Daten einer Studie für sein Raucherentwöhnungsmittel EVT 302 veröffentlicht hat. Die Aktie verlor knapp dreizehn Prozent auf 0,63 Euro. Das Unternehmen hat damit binnen Jahresfrist rund zwei Drittel seines Wertes eingebüßt.

FRANKFURT. Das Raucherentwöhnungsmittel war das am weitesten gediehene Projekt des Unternehmens, nachdem Evotec vor Kurzem die Weiterentwicklung seines bisherigen Topkandidaten, eines Schlafmittels, auf Eis gelegt hatte. Für die Finanzierung der umfangreichen klinischen Studien konnten die Hamburger trotz intensiver Suche keinen Partner finden, weil im Schlafmittelmarkt das führende Produkt Ambien von Sanofi mittlerweile als generisches Produkt auf dem Markt ist.

Das Mittel zur Raucherentwöhnung habe die Chance auf Umsätze von mehr als einer Milliarde Dollar, hatte Evotec-Chef Werner Lanthaler noch im März gesagt. Nun ist es nach Ansicht des Investmenthauses Piper Jaffray wenig wahrscheinlich, dass das Mittel im Bereich der Raucherentwöhnung weiterentwickelt wird. Gegenüber Placebos hatte EVT 302 nicht zu einer signifikanten Verbesserung der Entwöhnungsrate geführt. Evotec will nun das Potenzial des Moleküls in einer Reihe von anderen Indikationen - darunter auch Parkinson - evaluieren, wie Firmenchef Lanthaler dem Handelsblatt sagte. Mit wie viel Erfolg, ist derzeit unklar.

Der Rückschlag von Evotec reiht sich ein in eine lange Liste von schlechten Nachrichten aus der Medikamentenentwicklung deutscher Biotechunternehmen, darunter Namen wie GPC Biotech und Paion. Im vergangenen Jahr hatte lediglich die Berliner Jerini AG mit der europäischen Zulassung für ihr Medikament Firazyr gegen erblich bedingte Organschwellungen einen Erfolg. Kürzlich wurde ein von der Münchner Biotechfirma Trion und Fresenius entwickeltes Mittel gegen Bauchwassersucht bei Krebs europaweit zugelassen. Removab ist das erste vollständig in Deutschland entwickelte Biotech-Medikament.

Evotec hatte das Molekül für EVT 302 vor Jahren von Roche einlizenziert. Die Biotechfirma startete 1993 mit Technologieplattformen, die die Wirkstoffsuche im Pharma- und Biotechbereich beschleunigen sollten. In den vergangenen Jahren wurde das Geschäftsmodell zunehmend in Richtung Medikamentenentwicklung verlagert. Dazu übernahm Evotec im vergangenen Jahr die US-Biotechfirma Renovis.

Werner Lanthaler, der im März von der Wiener Intercell zu Evotec kam, hat dem Unternehmen angesichts des stetig gestiegenen Verlustes einen Sparkurs verordnet und die Zahl der Forschungsprojekte deutlich reduziert. In seinem eigenen Forschungsprogramm hat Evotec noch drei Medikamente in frühen klinischen Studien, eines davon gegen rheumatoide Athritis. Zudem hat Evotec kürzlich eine Allianz mit Roche zur Entwicklung eines Mittels gegen Depressionen unterzeichnet.

Im vergangenen Jahr steigerte Evotec den Umsatz vor allem dank Zahlungen aus der Kooperation mit Boehringer Ingelheim um 20 Prozent auf 39,6 Mio. Euro. Der operative Verlust erhöhte sich wegen Wertberichtigungen von 58,1 auf 73,2 Mio. Euro. Ende 2008 verfügte Evotec über liquide Mittel von 92 Mio. Euro. Die sollen über 2012 hinaus reichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%