Biotechnologie
Unsicherheit um GPC-Krebsmittel schickt Aktie auf Talfahrt

Die Zukunft der größten Medikamenten-Hoffnung des Biotechnologie-Unternehmens GPC steht in Frage. Im Zulassungsverfahren für das Prostatakrebs-Medikament Orplatna in den USA erlitt GPC einen herben Rückschlag. Daraufhin brach die Aktie am Mittwoch zeitweise um 40 Prozent ein.

HB ROCKVILLE/FRANKFURT. Ein Beratergremium für Krebsmedikamente (ODAC) der US-Gesundheitsbehörde FDA empfahl einstimmig, vor der Entscheidung über eine Zulassung erst die endgültigen Ergebnisse aus einer Studie abzuwarten, die zeigten, wie lange mit Orplatna behandelte Patienten überlebten.

Eine Markteinführung des Präparats in den USA dürfte sich damit nun zumindest deutlich verzögern. Das auch als Satraplatin bekannte Krebsmittel, dem GPC rund 500 Mill. Dollar Umsatz im Jahr zutraut, ist der einzige Entwicklungskandidat der Firma, der es in ein Genehmigungsverfahren geschafft hat. Die Chance, dass das Mittel überhaupt zugelassen wird, beziffert Analyst Hanns Frohnmeyer von der LBBW nur noch auf 50 Prozent. Die FDA wird voraussichtlich Mitte August über ihr Vorgehen entscheiden. Sie berücksichtigt aber meist die Empfehlungen ihrer Beratergremien. GPC hatte ursprünglich gehofft, schon im August die US-Zulassung für das Mittel zu bekommen.

„Wir sind extrem enttäuscht, dass das ODAC-Gremium der FDA empfohlen hat, die endgültige Analyse der Überlebensdaten abzuwarten“, erklärte GPC-Chef Bernd Seizinger. Er glaube fest an das Potenzial von Orplatna. Dadurch, dass die Patienten in der Zulassungsstudie zuletzt später gestorben seien, seien die ursprünglich für den Herbst erwarteten Gesamtüberlebensdaten erst später verfügbar.

Seizinger prüft nun eine Änderung der Strategie für Orplatna. Dazu gehöre auch die Überlegung, einen Partner für das Mittel in den USA zu suchen. „Wir haben aber natürlich dazu noch keine irgendwie geartete Entscheidung gefällt“, sagte er.

Die im TecDax notierte GPC-Aktie war am Mittwoch im freien Fall. Nach einem Kurssturz am Freitag, als in der FDA erste Bedenken gegen das Mittel und die Studie geäußert worden waren, brach sie zeitweise bis auf 8,50 Euro ein. Der Börsenwert des Unternehmens aus Martinsried bei München hat sich damit binnen weniger Tage auf rund 360 Mill. von mehr als 820 Mill. Euro mehr als halbiert. Bis zum Mittag verlor sie 33 Prozent auf 9,90 Euro.

Das Geld wird GPC aber so schnell nicht ausgehen. Firmenchef Seizinger versicherte Analysten in einer Telefonkonferenz, dass das Unternehmen genügend Barmittel habe, um den Empfehlungen der FDA-Berater bei der Zulassungsstudie nachzukommen. Ende März lag der Bestand an Finanzmitteln noch bei 112,8 Mill. Euro. GPC- Vertreter hatten dem FDA-Beratergremium erklärt, es könne noch ein Jahr dauern, bis die endgültigen Überlebensdaten vorlägen. GPC will Orplatna in Kombination mit dem Entzündungshemmer Prednisone zur Behandlung von Patienten mit hormonresistentem Prostatakrebs anwenden, bei denen eine Chemotherapie versagt hat.

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