Biotest
Chinesen wollen 1,2 Milliarden Euro zahlen

Die deutsche Pharmafirma Biotest verhandelt mit einer chinesischen Investorengruppe über eine Übernahme. Die 1,2 Milliarden Euro schwere Offerte kommt bei Management und Anlegern gut an.
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Frankfurt/BerlinDie chinesische Investmentgruppe Creat will für rund 940 Millionen Euro die hessische Pharmafirma Biotest übernehmen. Bei Vorstand und Aufsichtsrat kam der Vorstoß gut an: „Hier können wir mitgestalten und werden nicht gestaltet", sagte Biotest-Chef Bernhard Ehmer am Donnerstag in Frankfurt. Gegenwärtig befinde man sich in Verhandlungen über einen möglichen Zusammenschluss.

Eine Transaktion habe klare Vorteile für die Gesellschaft. „Wir würden Teil einer größeren Gruppe.“ Biotest erhofft sich von den Chinesen vor allem finanzielle Unterstützung bei seiner Expansion. Noch gebe es aber keine Garantie, dass eine endgültige Vereinbarung erzielt werden könne, sagte Ehmer. Inklusive Schulden wird Biotest bei dem Angebot mit 1,2 Milliarden Euro bewertet.

Die Anteilsscheine von Biotest sind je zur Hälfte in Stamm- und Vorzugsaktien aufgeteilt. Von einem Deal würde vor allem die Biotest-Gründerfamilie Schleussner profitieren, die etwa die Hälfte der Stämme hält. Je Stammaktie strebt Creat einen Preis von 28,50 Euro an – ein Aufschlag von 55 Prozent auf den Durchschnittskurs der letzten drei Monate. Weitere Großaktionäre sind die Kreissparkasse Biberach mit gut 15 Prozent sowie die BW Invest Baden-Württembergische Investmentgesellschaft mit mehr als als sieben Prozent.

Die Vorzugsaktien sind komplett im Streubesitz. Den Haltern der Vorzugsaktien, die keine Stimmrechte haben, steht mit einem Preis von 19 Euro je Aktie eine deutlich geringere Prämie in Aussicht: 15 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Am Donnerstag lagen die Vorzugsaktien mit 18,38 Euro knapp unter der möglichen Offerte, die Stämme stiegen um ein Viertel auf 25 Euro.

Für die unterschiedliche Bewertung der Aktien gab der Vorstand von Biotest keine Erklärung ab und verwies lediglich darauf, dass sich die Vorzugsaktien zuletzt besser als die Stämme entwickelt hätten. Die Gespräche mit Creat dauerten noch an, man befinde sich in einem „Interimsstatus“, in dem noch nicht alle Konditionen genannt worden seien.

Die Chinesen haben aber die Absicht geäußert, den Firmensitz im südhessischen Dreieich belassen und auch den Firmennamen sowie Marken- und Produktnamen weiterführen zu wollen. Zudem soll an geltenden Betriebsvereinbarungen, bestehenden Tarifverträgen sowie der betrieblichen Mitbestimmung für einen Zeitraum von fünf Jahren festgehalten werden. Ehmer zufolge gab es in der Vergangenheit auch andere Interessenten für Biotest, die Anfrage der Chinesen sei aber „sehr durchdacht“ gewesen.

Mit Biotest nimmt Creat ein weiteres Unternehmen ins Visier, das im Bereich Plasmaproteinprodukte tätig ist. Erst im vergangenen Jahr hatten die Chinesen die britische Firma Bio Products für 820 Millionen Pfund (rund 944 Millionen Euro) gekauft. Biotest hat sich neben Plasmaproteinprodukte auf biotherapeutische Arzneimittel konzentriert. Der Vorstand setzt darauf, dass die Chinesen Biotest bei notwendigen Investitionen in Produkte und Fertigung unter die Arme greifen werden sowie bei seinem 270 Millionen Euro teurem Investitionsprogramm "Biotest Next Level", mit dem die Produktionskapazitäten der Firma bis 2022 mehr als verdoppelt werden sollen.

Biotest beschäftigt mehr als 2.500 Mitarbeiter, den Großteil davon in Deutschland und den USA. 2016 schrieb das Unternehmen einen Nettoverlust von 45,7 (Vorjahr: minus 82,5) Millionen Euro. Den brockte Biotest das US-Therapiegeschäft ein, von dem sich die Hessen mit einem hohen Verlust trennen. Der Gewinn der fortgeführten Geschäftsbereiche verbesserte sich dagegen um mehr als ein Viertel auf 34,5 Millionen. Der Umsatz legte um 3,5 Prozent auf gut 610 Millionen zu.

Für 2017 wird ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich erwartet. Das operative Ergebnis (Ebit) der fortgeführten Bereiche soll dagegen wegen hoher Kosten für den Ausbau der Produktionskapazitäten auf 46 bis 48 (2016: 63,9) Millionen Euro schrumpfen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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