Biotest unter Druck
Weiterer Optionsplan unter Beschuss

Mit der Frankfurter Biotest AG muss ein weiteres Unternehmen mit Widerstand von Aktionären gegen ein Aktienoptionsprogramm rechnen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wirft dem Pharma- und Diagnostikahersteller vor, dass er Aktien zu ungewöhnlich günstigen Konditionen an Führungskräfte ausgeben will.

shf FRANKFURT. Auf der Biotest-Hauptversammlung am Donnerstag will die SdK daher gegen das Programm und ein dazu erforderliches bedingtes Kapital opponieren. Dass solche Programme nicht immer das Wohlwollen der Aktionäre finden, musste zuletzt die Immobilienbank Hypo Real Estate erleben. Auf deren Hauptversammlung haben die Anteilseigner am Montag überraschend einen Bonusplan für das Management gekippt.

Bei Biotest befindet sich das Stammkapital mehrheitlich im Besitz der Gründerfamilie. Sie hat nach Angaben von Finanzvorstand Michael Ramroth bereits Zustimmung zu den Plänen signalisiert, ebenso wie einige weitere Großaktionäre. Allerdings muss das Optionsprogramm auch von einer qualifizierten Mehrheit des Vorzugskapitals gebilligt werden, das breit gestreut ist.

Biotest will in den kommenden Jahren bis zu 384 000 Optionen an Manager und leitende Mitarbeiter ausgeben, wobei der Bezugspreis lediglich 2,56 Euro je Vorzugs-Aktie betragen soll. Die Biotest-Aktie, deren Wert sich seit Mitte 2004 verdreifachte, notiert derzeit aber bereits bei knapp 30 Euro. Die Optionen repräsentieren mithin einen Wert von gut zehn Millionen Euro, was rund zwei Drittel des letztjährigen Vorsteuergewinns entspricht. Und die Ausübungshürden – Kurssteigerungen von 10 bis 40 Prozent sowie eine Ebit-Marge von mindestens 8,5 Prozent – sind quasi schon jetzt erfüllt. „Das riecht daher stark nach Selbstbedienung“, kritisiert Wolfgang Kirn von der SdK. „Ein Anreiz-System macht nur Sinn, wenn die vorgegebenen Ziele noch nicht erreicht sind.“

Biotest-Vorstand Ramroth verteidigt das Options-Modell dagegen als sinnvolles Anreizsystem, um wichtige Mitarbeiter besser an das Unternehmen zu binden und an der starken Kursentwicklung der vergangenen beiden Jahre teilhaben zu lassen. „Wir haben bei der Vorbereitung alles beachtet, was zu beachten war.“ Es handele sich um ein von der Unternehmensberatung Towers Perrin entwickeltes Standardprogramm.

Biotest zählt sich zu den führenden Herstellern von Medikamenten, die aus Blutplasma gewonnen werden, darunter Blutgerinnungs-Mittel sowie Immunglobuline zur Behandlung von Infektionen. Nach roten Zahlen im Jahr 2003 verbuchte das Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren einen deutlichen Turn-around. 2005 verdoppelte sich der Nettogewinn auf zehn Mill. Euro, während der Umsatz um neun Prozent auf 237 Mill. Euro zulegte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%