Bisherige Partner erwägen angeblich Ausstieg
Gazprom drängt in russisches Joint-Venture von BP

Beim russischen Öl-Joint-Venture TNK-BP zeichnet sich Medienberichten zu Folge ein Wechsel unter den Eigentümern ab: Die Zeitung Wedomosti berichtete aus Kreisen der russischen Anteilseigner, diese seien bereit, ihr Aktienpaket von 50 Prozent an den staatlich kontrollierten Gazprom-Konzern zu verkaufen.

MOSKAU. Zu den bisherigen Partnern des britischen BP-Konzern zählen die Alfa Gruppe von Michail Fridman sowie Access-Renova, ein Unternehmen der Oligarchen Wiktor Wekselberg und Leonid Blawatnik. Obwohl keine Seite die Gerüchte bestätigen oder kommentieren will, halten sie sich dennoch hartnäckig in der russischen Hauptstadt. Zwar hatte BP mit seinen Partnern vereinbart, dass es bis Ende 2007 keinen Wechsel in der Eigentümerstruktur geben solle. Dies sei aber eine Frage des Preises, berichtet Wedomosti aus den Aktionärskreisen. Sollte einer der Anteilseigner aussteigen, hat BP angeblich ein Vorkaufsrecht. Im Jahr 2003 hatte der Konzern rund sieben Mrd. Dollar für seinen Part bezahlt. Heute erzielt das Joint Venture eine Marktkapitalisierung von über 40 Mrd. Dollar.

Wenn die Anteilseigner verkaufen wollten, sei Gazprom an erster Stelle der Interessenten, sagte der Chef der Ölsparte des Konzerns, Gazprom Neft, Alexander Ryazanow, vergangene Woche. TNK-BP ist heute der zweitgrößte Ölförderer Russlands.

Sollte der russische Staat über Gazprom einen Platz in dem Gemeinschaftsunternehmen einnehmen, wäre dies ein weiterer Schlag gegen die ausländischen Investoren in dem Sektor. Branchenexperten, darunter auch der Chef von TNK-BP Robert Dudley, hatten nach dem von offizieller Seite betriebenen Fall des Ölkonzerns Yukos immer wieder betont, dass der Kreml zwar den Ausbau des staatlichen Anteils an der Ölförderung anstrebe, aber die bestehenden Modelle ausländischer Investoren in Russland – Joint Ventures und Kooperationen bei der Produktion wie die von Shell auf Sachalin – nicht antasten werde.

Der Griff des russischen Staates nach Öl und Gas hat den Sektor bereits nachhaltig verändert: Lag der Anteil der Staatsunternehmen nach Angaben des Energieministeriums im Jahr 2004 noch bei 13 Prozent, kletterte er 2005 bereits auf über ein Drittel. Zahlen des Branchendienstes Energy Intelligence belegen: Während früher vor allem die privaten Ölkonzerne wie TNK-BP die höchsten Wachstumsraten bei der Produktion erreichten, haben nun die Staatsfirmen die Führung übernommen. Der Grund liege auf der Hand, schreiben die Experten: Die Felder der privaten Förderer seien „reif“ und der Zugriff auf neue sei wegen der zunehmende staatlichen Kontrolle schwer.

Russland hat in den vergangenen Wochen den Druck auf die ausländischen Firmen erheblich erhöht, in dem der Staat angebliche Verstöße der Unternehmen gegen bestehende Vereinbarungen – vor allem in Umweltbelangen – aufgriff und mit dem Entzug von Lizenzen drohte. Das Shell-Konsortium auf Sachalin etwa hat nur einen Monat Aufschub bekommen, bis die Regierung über den Fortgang der Arbeiten an dem Milliardenprojekt für Verflüssigtes Gas (LNG) entscheidet. Auch dort möchte Gazprom einen Anteil erwerben. Es werde „eine schnelle Lösung“ geben, erwarten Gazprom nahe stehende Finanzkreise.

Das Ministerium für Ressourcen will auch das Kowikta-Projekt von TNK-BP unter die Lupe nehmen. Der Druck auf das Joint Venture erhält damit eine neue Dimension: Bisher hatte der Staat das Unternehmen mit Steuernachforderungen überzogen. Gazprom hat vor allem ein Auge auf das Kowikta-Feld geworfen: Weil der Konzern das Exportmonopol für Erdgas hat, kann TNK-BP das Feld nicht ohne eine Übereinkunft mit dem größten Gasförderer der Welt entwickeln. Bisher haben die Verhandlungen aber kein Ergebnis gebracht.

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