Bisheriges Geschäftsmodell
Ford-Chef rüttelt an den Grundfesten des Autokonzerns

Beim kriselnden US-Autohersteller Ford wird es in naher Zukunft gravierendere Veränderungen geben als bislang erwartet. Darauf hat Konzernchef Bill Ford seine Mitarbeiter in einem internen Brief vorbereitet. Darin stellt er die Grundlage des Unternehmens in Frage.

hof FRANKFURT. „Das Geschäftsmodell, das uns jahrzehntelang getragen hat, ist nicht mehr ausreichend, um die Profitabilität zu gewährleisten“, schrieb Ford in dem am Montag bekannt gewordenen Brief an die Beschäftigten.

In einem Interview mit dem US-Magazin „Newsweek“ hat er sogar seinen eigenen Posten zur Disposition gestellt: „Ich versuche immer, Talente von Außen ins Unternehmen zu bringen. Wenn ich jemanden finde – ich denke, Carlos Ghosn ist ein außerordentliches Talent, das der Firma helfen könnte – unabhängig von der Position.“ Nach Angaben aus Unternehmenskreisen hat Ford in den vergangenen Wochen bereits mit Renault-Nissan-Chef Ghosn telefoniert und das Unternehmen als Kooperationspartner für angeboten, falls die Allianzgespräche Ghosns mit General Motors scheitern sollten.

Ford hatte im Januar angekündigt, bis zum Jahr 2012 in Nordamerika 14 Fabriken zu schließen und 30 000 Stellen abzubauen. Nach einem miserablen Geschäftsergebnis im ersten Halbjahr sah sich das Management kürzlich gezwungen, diese Pläne noch zu verschärfen. Erste Ergebnisse sollen in diesem Monat bekannt gegeben werden. Wie die weltweite Nummer eins der Branche, General Motors, muss Ford in Nordamerika seit Jahren Marktanteile an die Konkurrent abgeben. Allein im ersten Halbjahr 2006 betrug der Verlust von Ford 1,3 Mrd. Dollar.

Ford fährt Produktion runter

In einer ersten Reaktion verkündete der Konzern, die Produktion im vierten Quartal um ein Fünftel zu kürzen. Besonders für seine spritfressenden Geländewagen und Pickups findet das Unternehmen wegen der gestiegenen Benzinpreise in den USA immer weniger Käufer. Analysten sind skeptisch, ob Ford überhaupt eine schnelle Wende gelingen kann: „Wir erwarten, dass Ford weiter Marktanteile verliert, wahrscheinlich sogar noch schneller als bislang“, urteilen die Experten von Merrill Lynch.

Bill Ford stellt nun anscheinend alles auf den Prüfstand. Anders als noch vor einigen Monaten angekündigt, ist nach Brancheninformationen auch ein Verkauf der Ford-Finanztochter Ford Motor Credit im Gespräch. Konkurrent General Motors hatte sich im vergangenen Herbst bereits zu einem solchen Schritt entschlossen. Um die Restrukturierung von Ford voranzutreiben und die Entscheidungen dabei unabhängiger von der bisherigen Konzernpolitik zu machen, will Bill Ford laut Mitarbeiterbrief auch verstärkt auf Manager von außen setzen, die unvorbelastet Lösungen für Ford erarbeiten sollen. Zuletzt hatte Ford eingeräumt, sich von Teilen der Luxussparte Premier Automotive Group (PAG) trennen zu wollen.

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