Blablacar-Mitgründer Brusson
„Start-ups bleiben zu lange daheim“

Die Mitfahrzentrale Blablacar wächst rasant und will innerhalb weniger Jahre zu einer weltweiten Marke werden. Im Interview spricht Mitgründer Nicolas Brusson über die Expansionspläne und das Verhältnis zu Uber.
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BerlinDie Nutzerzahlen von Blablacar haben sich innerhalb weniger Jahre verdreifacht. Blablacar ist jetzt in 19 Ländern aktiv. Hätten Sie mit einem derart rasanten Wachstum gerechnet?

Wir haben dieses Wachstum sogar genauso geplant. Vor drei Jahren waren wir noch ein französisches Unternehmen mit gerade einmal 20 Mitarbeitern. Als uns noch keiner kannte, haben wir uns entschieden, zu einer europäischen Firma zu werden. Wir haben damit die DNA des Unternehmens fundamental verändert. Mit mehreren Übernahmen haben wir das geschafft, nun wollen wir global weiter wachsen.

Dafür haben Sie auch Risikokapital von 100 Millionen Dollar eingesammelt. Das ist bisher nur wenigen Start-Ups aus Europa gelungen…

Viele andere Start-ups bleiben zu lange in ihren Heimatmärkten. Und wenn man sich nur auf kleine Märkte konzentriert, hat man es einfach schwerer. Für große amerikanische Investoren sind solche Unternehmen so interessant, wie ein Start-up, das nur in Kentucky oder Texas operiert. Ich erinnere mich noch an ein Treffen mit Investoren im Silicon Valley. Als ich denen auf einer Karte unsere Strategie für Europa erklärt habe, meinten sie: Okay, ihr wollt ein globales Unternehmen sein, das zufällig in Paris beheimatet ist.

Wie kann man die einem derart rasanten Wachstum den Überblick behalten und vor allem eine Firmenkultur bewahren?

Bei uns kümmert sich ein Team von zwanzig Mitarbeitern um unser Wachstum. Dieses Team beobachtet potentielle Märkte. Dabei kommen wir sehr schnell in Kontakt mit Wettbewerbern auf diesen Märkten, die wir als Partner gewinnen können. Wir arbeiten dabei oft mit kleinen, sehr motivierten Teams, die unsere Unternehmensziele teilen. Denen geben wir viel Autonomie, denn sie kennen ihre Märkte oft besser als wir. Aber mit unsere Größe und Erfahrung können wir helfen, das Thema Ridesharing in diesen Märkten deutlich präsenter zu machen.

Denken Sie, dass Sie mit Ihrem Angebot auch mit internationalen Mobilitätsriesen wie Uber konkurrieren…

Im Kern haben wir sehr unterschiedliche Angebote. Uber vermittelt Fahrzeuge auf Abruf. Der Fahrer fährt, um einen Profit zu erwirtschaften und erbringt eine reine Dienstleistung, meist innerhalb einer Stadt. Unser Konzept basiert auf einer Community, bei der man sich die Kosten für eine Fahrt von Stadt zu Stadt teilt. Der Reiseanlass unserer Fahrer ist eben gerade nicht der, mit der Mitnahme von Menschen einen Profit zu erwirtschaften. Bei uns kann jemand heute Fahrer und morgen Mitfahrer sein, das ist bei Uber anders. Wir bauen die Unternehmen daher ganz anders auf. Besonders in Großbritannien und den USA gibt es da ein semantisches Problem, weil beides als Ridesharing bezeichnet wird.

In Deutschland haben Sie den großen Konkurrenten Carpooling übernommen. Welche Pläne verfolgen Sie damit?

Um Carpooling als Übernahmeziel zu identifizieren, musste man kein Genie sein. Damit festigen wir unsere Position als Marktführer in Deutschland. In den nächsten sechs bis neun Monaten werden wir unsere Aktivitäten unter einem Dach zu bündeln. Dafür müssen wir Mitfahrgelegenheit.de nicht abschalten, aber wir wollen aber doppelte Angebote vermeiden.

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So bekannt wie Easyjet

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