Blick auf die Unternehmenszahlen
Daimler ist ohne Chrysler besser dran

Als „Hölle auf Erden“ hat sich die „Hochzeit im Himmel“ entpuppt. Nach der Fusion zwischen Daimler und Chrysler brach nicht nur der Aktienkurs ein, auch die Gewinne und Margen schmolzen dahin. Für die Anteilseigner galt schon vor dem Verkauf: Ohne die US-Tochter sind die Stuttgarter mehr wert als mit. Ein Blick auf die Zahlen des Konzerns verdeutlicht das Desaster.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der von Analysten beschworene und Anlegern herbeigesehnte Verkauf Chryslers erweist sich als Milliarden-Zuschussgeschäft. 1998 hatte Daimler-Benz für den US-Autobauer in Form von Aktien rund 36 Mrd. Dollar auf den Tisch gelegt. Jetzt bekommen die Stuttgarter nur ein Fünftel zurück, geben dafür aber 80 Prozent ihrer Tochter her. Daimler legt allerdings Wert darauf, dass nie Mittel aus Stuttgart nach Auburn Hills geflossen seien, um die Sanierung des US-Autobauers zu finanzieren.

Experten sind sich einig, dass die amerikanische Liaison ein finanzielles Fiasko war. Hinzu kommt, dass der jahrelange Pflegefall massiv die Managementkapazitäten des Konzerns bündelte. Sie fehlten an anderer Stelle. Möglicherweise wäre die Ertragsperle und Nobelmarke Mercedes niemals derart ins Schlingern geraten, wenn die Stuttgarter sich nicht um so viele internationale Baustellen hätten kümmern müssen. Zu ihnen zählten neben Chrysler auch die gescheiterten Allianzen mit dem koreanischen Autobauer Hyundai und dem japanischen Partner Mitsubishi Motors. Die Strategie von Jürgen Schrempp – dem Vorgänger von Firmenchef Jürgen Zetsche –, mit Großakquisitionen weltweit die Nummer eins der Autobranche zu werden, erwies sich als Illusion.

Ein Blick auf die laufenden Unternehmenskennzahlen verdeutlicht die missglückte Ehe noch stärker. Die für einen Autobauer durchaus beachtliche operative Umsatzrendite zwischen 5 und 7 Prozent aus den neunziger Jahren fiel nach der Fusion auf 4 und später sogar auf 3 Prozent zurück. Das entspricht dem Niveau von Massenherstellern.

Ebenso blamabel entwickelte sich der Nettogewinn pro Aktie – für Anteilseigner die maßgebliche Kenngröße. Aus 4,91 Euro im Jahr 1998 blieben im vergangenen Geschäftsjahr nur noch 3,14 Euro pro Aktie hängen. Mit Ausnahme des Boomjahres 2000, als das jung vermählte deutsch-amerikanische Unternehmen 7,80 Euro pro Aktie verdiente, hat sich der Deal eigentlich nie gerechnet.

Dementsprechend kannte die Aktie fast immer nur eine Richtung: bergab. Nach Kursen von gut 60 Euro in den Jahren vor der Fusion und einem Allzeithoch von 95,45 Euro kurz nach dem Zusammenschluss, fiel die Notierung auf weniger als 40 Euro, ehe sie erst in diesem Jahr die lebhafte Phantasie auf Trennung wieder beflügelte.

Seite 1:

Daimler ist ohne Chrysler besser dran

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%