Blitzanalyse Die Kraftwerkssparte belastet den gesamten Siemens-Konzern

Die Krise in der Kraftwerkssparte verschärft sich beim Elektrokonzern. Aufgrund von Sondereffekten hebt Siemens aber die Prognose für den Gewinn nach Steuern an.
Update: 09.05.2018 - 08:08 Uhr Kommentieren
Siemens: Die Kraftwerkssparte belastet den gesamten Konzern Quelle: dpa
Siemens

Der Konzern hebt seine Jahresprognose an.

(Foto: dpa)

MünchenGerade erst hat sich Siemens-Chef Joe Kaeser mit den Arbeitnehmern auf die Details des geplanten Stellenabbaus geeinigt. Das umkämpfte Werk in Görlitz soll erhalten bleiben. Doch bleibt es bei massiven Arbeitsplatzstreichungen. Die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2017/18 (30. September) zeigen den Handlungsbedarf.

Insgesamt laufen die Geschäfte des Technologiekonzerns zwar weiter sehr ordentlich. Vor allem die Digitale Fabrik glänzt. Doch die Krise in der Kraftwerkssparte verschärft sich. Die Prognose für den Gewinn nach Steuern wird wegen Sondereffekten angehoben. Das erfreut die Anleger. Die Siemens-Aktie stieg vorbörslich um 1,8 Prozent.

Die wichtigsten Fakten:

  • Der Umsatz stagnierte bei 20,1 Milliarden Euro.
  • Das operative Ergebnis im industriellen Geschäft sank um acht Prozent auf 2,25 Milliarden Euro.
  • Der Gewinn nach Steuern legte wegen Steuer- und Sondereffekten um 39 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro zu.
  • Die Prognose für den unverwässerten Gewinn je Aktie im Gesamtjahr hebt Siemens wegen dieses starken Ergebnisses von 7,20 bis 7,70 Euro auf 7,70 bis 8,00 Euro je Aktie an.

Das fällt positiv auf:

Die Digitale Fabrik bleibt die Vorzeigesparte des Konzerns. Der Umsatz legte im zweiten Quartal auf vergleichbarer Basis um 13 Prozent auf knapp 3,3 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis verbesserte sich sogar um 40 Prozent auf 682 Millionen Euro. Damit verbesserte sich die ohnehin schon gute Ergebnismarge noch einmal von 18 auf 20,9 Prozent.

Auch in der Zugsparte Mobility, die vor der Fusion mit Alstom steht, ging es aufwärts. Der Umsatz stieg vergleichbar um vier Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Vor allem der um 13 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gewachsene Auftragseingang stimmt den Konzern zuversichtlich. Die operative Umsatzrendite der früheren Problemsparte verbesserte sich von 10,5 auf 11,1 Prozent.

Die Gebäudetechnik und die Medizintechnik Healthineers lieferten weiter gute Gewinnbeiträge, die Ergebnisse sanken hier aber etwas.

Das fällt negativ auf:

In erster Linie ist hier die Krisensparte Power and Gas zu nennen. Im Kraftwerksgeschäft brachen die Erlöse um 21 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro ein. Noch düsterer sah es beim Ergebnis der einstigen Ertragsperle aus: Der operative Gewinn sank um 74 Prozent auf nur noch 114 Millionen Euro. Dies entspricht gerade einmal einer Marge von 3,9 Prozent – im Vorjahreszeitraum waren es noch 10,9 Prozent. Bei großen Gasturbinen verdient Siemens vor allem noch am Service – das Neugeschäft ist nach Einschätzung in Industriekreisen teilweise defizitär.

Wenig erfreulich ist auch, dass der Auftragseingang des Gesamtkonzerns auf vergleichbarer Basis leicht auf 22,3 Milliarden Euro sank. Allerdings waren im Vergleichszeitraum mehr Großaufträge vor allem bei Siemens Gamesa verzeichnet worden. Ohne Großaufträge stiegen die neuen Bestellungen.

Wie es nun weitergeht:

Die Diskussionen über Görlitz und den Stellenabbau hatten für viel Unruhe im Konzern gesorgt. Siemens-Chef Kaeser hat sogar die Verkündung seiner neuen Konzernstrategie „Vision 2020+“ verschoben, bis das Thema vom Tisch ist. Die Detailverhandlungen stehen zwar noch aus, doch kann sich Siemens nun stärker aufs operative Geschäft und die Zukunftsstrategie konzentrieren. Siemens-Chef Kaeser zeigte sich insgesamt zufrieden: „Die meisten unserer Geschäfte, vor allem die digitalen Angebote, zeigten eine beeindruckende Stärke und konnten die strukturellen Herausforderungen der fossilen Energieerzeugung operativ mehr als ausgleichen.“

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