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17.04.2008 
Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen

„Blut ist dicker als Wasser“

von Martin-W. Buchenau

Die Cousins Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche versuchen, den VW-Betriebsratschef auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. In einem Interview mit dem "Stern" drohen sie Bernd Osterloh offen. Der gibt sich wenig beeindruckt.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh "muss runterkommen", wenn es nach Porsche geht. Quelle: dpaLupe

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh "muss runterkommen", wenn es nach Porsche geht. Quelle: dpa

STUTTGART. Man sieht es dem schmucklosen Backsteinbau in Zuffenhausen nicht an, dass hier im Büro mit der Aufschrift "Dr. Wolfgang Porsche" Entscheidungen fallen, nach denen sich der VW-Konzern im fernen Wolfsburg richten muss. Immer wieder gibt es Spekulationen über angebliche Streitigkeiten zwischen den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch bei der geplanten Übernahme der Mehrheit an Europas größtem Autobauer. "Blut ist dicker als Wasser", sagt ein Unternehmensinsider dazu auf den schmalen Fluren der Porsche-Zentrale. Im Zweifelsfall würden die Familien immer zusammenhalten.

Und damit auch jeder an den Bändern in Wolfsburg diese Botschaft versteht, haben die beiden Köpfe der Familienstämme, Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche, erstmals ein gemeinsames Interview gegeben - es ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Stern" zu lesen.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Denn in Wolfsburg macht Betriebsratschef Bernd Osterloh mobil. Wegen des Streits um die Mitbestimmung im Konzern-Aufsichtsrat der neuen Porsche Automobil Holding will der VW-Betriebsrats bei der Hauptversammlung in Hamburg am kommenden Donnerstag mit mehreren tausend Arbeitern demonstrieren. Wolfgang Porsche zeigt sich in dem Interview kompromisslos: "Das ist so, und das bleibt so." Danach sollen die VW-Beschäftigten drei Arbeitnehmervertreter im Holding-Aufsichtsrat erhalten - genauso viele wie ihre Kollegen vom wesentlich kleineren Porsche-Konzern.

Im Tauziehen um den Einfluss bei Volkswagen will sich Niedersachsen derweil mit einem Beschluss des Aufsichtsrats gegen den Haupteigner Porsche positionieren. Das Kontrollgremium soll mit den Stimmen der Arbeitnehmerseite und des Landes Pläne unterstützen, nach denen Niedersachsen sein Vetorecht bei wichtigen Unternehmensentscheidungen behält. Das bestätigte die Staatskanzlei in Hannover am Donnerstag. Das Unternehmen Porsche wies den Antrag Niedersachsens zurück und bezeichnet ihn als Versuch, den Aufsichtsrat in unzulässiger Weise zu instrumentalisieren. Nach dem Willen der Stuttgarter soll die VW-Hauptversammlung entscheiden, die in der Satzung für wichtige Entscheidungen festgeschriebene Stimmenmehrheit von 80 Prozent auf die üblichen 75 Prozent zu senken. Damit verlöre das Land Niedersachsen seine Sperrminorität, die es mit einer Beteiligung von 20,3 Prozent innehat.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Familieneigner stehen zu Wiedeking

Die Hauptbotschaft des Interviews mit Piëch und Porsche richtet sich an Osterloh. Er spricht schon mal von einer "feindlichen Übernahme" und wird mit seinen scharfen Attacken gegen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking der Familie zunehmend unangenehm. "Der Herr Osterloh sitzt ganz oben auf einem Baum, und irgendwann muss er runterkommen", sagt Porsche. Er hoffe, das dass gelinge, "weil wir ihn nicht beschädigen wollen". Derartige Drohgebärden lässt Osterloh noch abperlen. "Bisher habe ich nur zart an den Stamm geklopft. Hochgeklettert bin ich noch gar nicht." Der aus Zuffenhausen gut bekannte Gutsherren-Ton werde die Belegschaften von VW und Audi nicht in die Knie zwingen.

Aber die Familieneigner von Porsche stehen fest zu Wiedeking: "Da sind wir uns einig. Die Familie steht hinter dem Management." Osterloh wollte ausnutzen, dass mit dem technikverliebten VW-Aufsichtsratschef Piëch und dem von der Porsche-Familie protegierten und eher kostenbewussten Wiedeking zwei unterschiedliche Philosophien von Autobauern aufeinander treffen. Die Hoffnung, Piëch auf die Wolfsburger Seite zu ziehen und so einen Keil in die Front zu treiben, kann Osterloh nach dem Interview aber begraben.

"Wir diskutieren hinter verschlossenem Vorhang vieles, aber letztlich sind wir uns einig, wenn es um wichtige Dinge geht", sagt Piëch. "Nur wenn man an einem Strang zieht, und zwar am gleichen Ende, ist man stark", ergänzt Porsche. "Wir drehen ein großes Rad." Osterloh droht eine schmerzliche Erfahrung. Er war es gewohnt, mit Niedersachsen als Großaktionär VW-Vorstände mit zeitlich befristeten Verträgen in die Zange nehmen zu können. Künftig sitzen an der Spitze des Porsche/VW-Konzerns Familieneigentümer - und das unbefristet.

Und noch eine Erkenntnis bringt das Interview: Piëchs automotiver Traum ist mit der VW-Übernahme längst nicht beendet. "Ich hätte gern noch einen kleinen, wertvollen Motorradhersteller drin." Piëch bleibt unberechenbar - nicht nur für Osterloh.

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