BMW als Vorreiter
Industrie entdeckt das Karbonzeitalter

BMW legt heute den Grundstein für die Elektroautoproduktion in Leipzig. Die Fahrzeuge werden aus Kohlefaser bestehen – jenem Stoff, der schon Flugzeuge leichter macht. Das soll Reichweite und Dynamik der Fahrzeuge erhöhen, Hersteller wie SGL erwarten einen Boom des Wunderstoffs.
  • 0

MÜNCHEN, FRANKFURT. Auch an Wunderstoffen ging die Flaute nicht vorbei: Um über zehn Prozent brach der Absatz von Kohlefaser im vorigen Jahr ein. Doch wenn heute Bundeskanzlerin Angela Merkel und BMW-Chef Norbert Reithofer in Leipzig den Grundstein für die Produktionsstätte des Elektroautos „Megacity Vehicles“ legen, dann markieren sie damit ein Ende der Flaute. Die Botschaft lautet: Die noch junge Kohlefaserindustrie brummt – dem Stoff, der viermal so leicht wie Stahl, aber ebenso robust ist, gehört die Zukunft.

Bei der Veranstaltung wird Robert Koehler im Podium sitzen. Ihm kommt eine Schlüsselrolle zu. Die von Koehler geführte SGL Group liefert die Kohlefaser, aus denen die Karosserien des BMW-Elektroautos gefertigt werden sollen. Mit Blick auf die Chancen des Werkstoffs hat Koehler das Geschäft kräftig angeschoben und musste dafür von Investoren Kritik einstecken. Jetzt scheint seine Rechnung aufzugehen. „Wir haben auch während der Krisenjahre investiert und werden davon 2011 profitieren.“

Die Branche plant im großen Stil: Bis 2013 soll sich der Absatz auf knapp 60 000 Tonnen jährlich verdoppeln, die von BMW benötigten Mengen sind da noch nicht eingerechnet. Gegenüber der Aluproduktion von jährlich 35 Mio. Tonnen und der Stahlindustrie von 1,2 Mrd. Tonnen ist die Menge zwar verschwindend gering. Aber die Zeichen stehen eindeutig auf Wachstum. Das Karbonmaterial ist in vielen Bereichen der Schlüssel für Leichtbaukonzepte.

Die deutsche Industrie geht mit hohem Tempo an den Einsatz von Kohlefaser. BMW wird als erster Autohersteller der Welt komplette Karosserien aus den gepressten und verleimten Kohlefasern herstellen. „Wir wollen uns über das Jahr 2020 als Technologieführer aufstellen“, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer jüngst. Die ersten Autos sollen schon 2013 auf den Markt kommen.

Der Münchener Autohersteller verspricht sich durch den Einsatz von Kohlefaser einen Wettbewerbsvorteil. Ziel ist es, mit den leichten Fasern das hohe Gewicht der Batterien im Elektroauto zu kompensieren – und so Reichweite und Dynamik der Fahrzeuge zu erhöhen.

BMW will den Werkstoff laut Finanzvorstand Friedrich Eichiner in einem „noch nie da gewesenen Ausmaß“ im Autobau verwenden. Dazu haben die Münchener mit SGL ein Joint Venture gegründet. Die Partner wollen in den kommenden Jahren 230 Mio. Euro in das Gemeinschaftsunternehmen investieren. Flankiert wird das Vorhaben von der BMW-Großaktionärin Susanne Klatten, die sich rund ein Viertel der SGL-Anteile gesichert hat.

Seite 1:

Industrie entdeckt das Karbonzeitalter

Seite 2:

Kommentare zu " BMW als Vorreiter: Industrie entdeckt das Karbonzeitalter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%