BMW-Chef Harald Krüger: „Hören wir auf, den Diesel kaputtzureden“

BMW-Chef Krüger
„Hören wir auf, den modernen Diesel kaputtzureden“

Die Autobauer sitzen in der Dieselfalle: BMW-Chef Harald Krüger kämpft daher auf der Hauptversammlung vehement für den Selbstzünder. Die Münchener haben besonders viel zu verlieren – und setzen auf den Glanz der 1980er.
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MünchenWer zur BMW-Hauptversammlung möchte, muss in der Regel den Mittleren Ring überqueren. Münchens Stadtautobahn vor der Tür der Olympiahalle ist berüchtigt für Staus und Abgase. Die Stickoxidemissionen an der vierspurigen Straße sind so hoch, dass für die Münchener Innenstadt ab 2018 Fahrverbote für Dieselantriebe drohen. So jedenfalls hat es das Bayerische Verwaltungsgericht verfügt.

Ein Problem für den Chef der Bayerischen Motorenwerke, der am Vormittag zu 5500 anwesenden Aktionären spricht. Harald Krüger, der im Sitzen redet, hat sich für eine offensive Variante entschieden. „Hören wir auf, die Menschen zu verunsichern“, ruft Krüger von der Bühne. „Und hören wir auf, den modernen Diesel kaputtzureden“. Es folgt ein langer Applaus der Anteilseigner.

Wie seine Kollegen in Wolfsburg und Stuttgart ist der BMW-Chef von der Diskussion um Diesel-Fahrverbote in Deutschland angefressen. Vielleicht sogar ein wenig mehr als VW-Chef Matthias Müller und Daimler-Boss Dieter Zetsche, denn Krüger hat bislang eine weiße Weste. Weder ist das Unternehmen Ziel staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen, noch ist den Münchenern ein Betrug nachgewiesen worden. Doch der Konzern hat viel zu verlieren. BMW hat in Europa 71 Prozent Dieselanteil in der Neuwagenflotte, mehr als jeder andere Hersteller.

Es steht also viel auf dem Spiel – und das wird ausgerechnet in Stuttgart entschieden. Denn in der Heimatstadt des Konkurrenten Mercedes laufen seit Wochen Gespräche zwischen der Autoindustrie und der Landesregierung, wie das angedrohte Fahrverbot in Stuttgart noch zu verhindern ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die älteren Euro5-Diesel umgerüstet werden, deren Abgasverhalten bei allen Herstellern große Mängel aufweist.

Sicher ist: Es wird eine sehr teure Umrüstung. Zwischen 1000 und 3000 Euro könnten pro Auto fällig werden, heißt es in der Industrie. Das Ganze hat den Charakter von Tarifverhandlungen: Kommt es zu einer Einigung, dürften die Ergebnisse auf ganz Deutschland übertragen werden. In der Summe könnten auf BMW, Daimler und Volkswagen Kosten insgesamt in Milliardenhöhe zukommen.

Doch es wird wohl kaum anders gehen. Zwar erfüllen die neuen Euro-6-Diesel, die seit 2014 verkauft werden, die Abgaswerte, betont Krüger. Auch zuvor habe man sich immer an die gesetzlichen Vorgaben gehalten und die Testvorgaben eingehalten. Doch die Kunden drohen das Vertrauen zu verlieren, eine verhängnisvolle Entwicklung für BMW. Die Diskussion um eine pauschale Verbannung müsse daher schnell vom Tisch. Denn: „Der Haken an der Sache ist: Wer den Diesel verbannt ,bekommt mehr Kohlendioxid“, sagt Krüger.

Damit sitzt BMW wie der Rest der Branche in der Dieselfalle. Denn wenn die Münchener ab morgen anteilig mehr Benzinautos verkaufen, geht der Kohlendioxid-Ausstoß hoch und BMW verfehlt die Klimavorgaben. „Ohne moderne Diesel sind die Kohlendioxid-Ziele der EU für 2020 Makulatur“, sagt Krüger.

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  • Tesla verkauft ja Fahrzeuge ohne Ende, jedoch alles nur auf Papier. Bei Auto-Motor u. Sport wurde letztes Jahr ein Teslar getestet, leider ging der Batteriensatz kaputt, Kosten 27000.- Euro, Alter unter 2 Jahre.

  • Stinker hin und Stinker her, die Karren will keiner mehr. BMW Aktien weg, das Zeug hat keinen Zeck. Ha Ha Ha

  • Die Ankündigung des neuen 8ers klingt doch schon mal vielversprechend: Benziner mit viel Hubraum. GENAU das ist meine Rede!!!

    Das Siechtum des Diesels ist für mich eine große Bestätigung, dass ich hier schon seit langem auf der richtigen Seite war. BMW war für mich als Marke in dem Moment erledigt, als sie auch damit anfingen, Diesel zu bauen. Das war etwa Mitte der 80er Jahre. Jetzt beträgt der Dieselanteil bei BMW in Europa unfassbare 71%. Tja, wenn man eben aufs falsche Pferd setzt .....


    Herr Peter Radinski 11.05.2017, 17:27 Uhr
    <<BMW hat nicht mal 30 000 von der I-Serie verkauft, Tesla hat schon 200 000 Vormerkungen, bevor sie noch mit der Produktion überhaupt angefangen haben!>>

    Falls Sie ein Fan von Tesla sein sollten, dann hoffen Sie mal, dass von diesen 200.000 Vormerkungen noch möglichst viele storniert werden. Tesla verliert pro verkauftem Fahrzeug etwa 5.000 bis 6.000 Euro!

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